Länderanalyse 2010
Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs

Das Gravitationszentrum der Weltwirtschaft verschiebt sich, viele Schwellenländer ziehen wirtschaftlich an den klassischen Industriestaaten vorbei. Aber gerade Deutschland hält in dem Wettlauf besser mit als Japan oder die USA. Denn die deutsche Exportindustrie hat sich perfekt auf den Aufschwung vorbereitet.
  • 27

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die deutsche Autoindustrie schwebt auf Wolke Sieben. "Wir werden Jahr für Jahr neue Produktions- und Absatzrekorde in der Automobilindustrie haben", prognostiziert Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. "Alle strahlen, weil sie wissen, dass der Boom in den Schwellenländern so schnell nicht nachlassen wird", beschreibt der Berater die Stimmung in der Branche.

Vor allem China stimmt die Automanager euphorisch. Im Reich der Mitte liegt die Fahrzeugdichte trotz immer neuer Verkaufsrekorde erst bei 59 Autos pro 1 000 Einwohner. Es ist darum für Daimler-Boss Dieter Zetsche der Wachstumsmarkt der Zukunft schlechthin. "Wir prognostizieren, dass wir im Jahr 2015 über 300 000 Autos in China verkaufen werden", sagt er. Das wären fast dreimal so viel wie im zuendegehenden Jahr. "Die Zahl liegt eher noch an der unteren als der oberen Kante der möglichen Entwicklung", schwärmt Zetsche.

Auch BMW-Chef Norbert Reithofer macht Wachstumschancen vor allem in China und in anderen Schwellenländern wie Argentinien oder Südkorea aus. BMW strebe beim Absatz ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Europa, Asien und Amerika an, sagt er. "Die Gewichte verschieben sich - und das ist kein vorübergehender Effekt", fügt der Chef des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, hinzu.

Solche Einschätzungen hört man in diesen Wochen auch aus anderen deutschen Exportbranchen, sei es der Maschinen- und Anlagenbau, die Chemie oder die Elektrotechnik. Die deutsche Industrie hat in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit auf die neuen Märkte in den Schwellenländern gesetzt - und ist damit ausgezeichnet gefahren. Exporte nach China, Indien oder Brasilien haben den Wegfall von Umsätzen in Nordamerika und den europäischen Nachbarländern ausgeglichen. Das ist ein Grund dafür, dass die deutsche Wirtschaft derzeit die stärkste unter den klassischen Industrieländern ist.

Seite 1:

Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Länderanalyse 2010: Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ziemlich zynisch diese Analyse. Die Vorbereitung besteht darin dem Lohnniveau in bRDien seit Jahren die gerechte Erhöhung und Anpassung an die Zuwachsraten der anderen EU-Länder vorzuenthalten. Dabei stützt sich bRDien als "sog. Musterschüler" auf die abstürzenden anderen EU-Länder, die als künstliche Negativbilanz des Euro aufgebaut wurden.

    Hochmut kommt vor dem Fall. Und mit der Verlegung von Konzernzentralen aus bRDien in die weite Welt hinaus ist in Kürze zu rechnen. Spätestens dann, wenn China die Abführung von Gewinnen der dort neu angesiedelten Werke ins Ausland kappt...

  • Lobbypresse ist der richtige Ausdruck für zynische Artikel in dieser Art. Zum Glück sehe ich aus dem fernen Ausland, wie dieser unverfroren genannte XXL Aufschwung an der gesamten bevölkerung vorbeigeht und dieser den letzten Euro Kaufkraft raubt. Aber die Rache folgt auf dem Fusse, während die Steuerlast den bürger umbringt und die " perfekt auf den Aufschwung vorbereitete " Wirtschaft noch feiert, stirbt Deutschland den einseitigen Export Wirtschaftstod. Wenn der Export stirbt, ist Deutschland tod. China arbeitet daran.
    Die einfältige deutsche Wirtschaft ist nicht besser, als die Feudal-Wirtschaft des lupenreinen Demokraten Putin. Er setzt auf Öl Gas ÖL Gas Öl und Gas. Kein Wunder, er war lange in Deutschland, dort hat er die wirtschaftliche Vielfältigkeit verlernt.

  • @[21] Devjo,
    "Gebäudereiniger, haben mit Sicherheit in der Jugend versäumt was für die zukünftige Karriere zu tun"
    und wenn sie es nicht versäumt hätten, wer würde jeztzt diese Aufgaben übenehmen?
    Oder meinen Sie dass es diese Aufgaben dann nicht mehr gäbe?
    ich vermute da ein Denkfehler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%