Länderanalyse 2010
Polen wird Europas Lokomotive im Osten

Polens Wirtschaft ist auch in der Krisegewachsen. Gefördert wird das Land durch EU-Milliarden, eine liberale Wirtschaftspolitik, kauffreudige Konsumenten und unternehmungswillige Menschen. Doch seinen Haushalt hat Warschau nicht im Griff. Der Euro-Beitritt liegt in weiter Ferne.

WARSCHAU. Der Jungkommunist steht noch immer aus Stein gemeißelt in einem Erker des Stalin’schen Kulturpalastes im Zuckerbäckerstil im Herzen Warschaus. Ein dickes Buch mit der Aufschrift „Marx, Engels, Lenin“ trägt er unter dem Arm. Doch was er rundherum sieht, ist die neue Zeit: Wolkenkratzer aus Glas und Beton, Fünf-Sterne-Hotels, moderne Einkaufszentren und direkt vor sich ein „Hard Rock Cafe“. Die grell in Regenbogenfarben blinkende Riesengitarre über dem Eingang symbolisiert diese neue Zeit: Das moderne, aufstrebende, zukunftsgerichtete Polen. Design statt Plattenbauten.

Seit vorigem Jahr sprechen die meisten Ökonomen sogar vom Wunder an der Weichsel: Polen schaffte es als einziges EU-Mitgliedsland das Krisenjahr mit 1,8 Prozent Wachstum statt mit Rezession zu durchstehen. Das größte Land der neuen EU-Mitglieder katapultierte sich beim Wirtschaftswachstum auf Rang eins unter allen OECD-Staaten.

Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent. „Polen ist klarer Gewinner sowohl der EU-Erweiterung als auch der Globalisierung“, stellt der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup, Vorstandsmitglied des Beratungs- und Analysehauses Maschmeyer Rürup AG, in seiner Länderanalyse für das Handelsblatt fest.

Längst werden die meisten Kühlschränke und Flachbildschirme für Europa in Polen hergestellt. Ob LG in Breslau, VW in Posen, Opel in Gleiwitz, Fiat in Tychy, MAN bei Krakau, Bosch-Siemens Haushaltsgeräte in Lodz, MTU in Rzeszów, Unicredit mit seiner Bank Pekao in Warschau – das Land am Drehkreuz zwischen Ost und West, Skandinavien und Südeuropa ist längst ein Magnet für Auslandsinvestoren.

In der Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern der Region wählten die dortigen Mitgliedsunternehmen Polen zum attraktivsten Standort für deutsche Investoren. „Polen bietet ein gutes Investitionsklima“, sagt Peter Tils, CEO Mittel- und Osteuropa der Deutschen Bank. „Die Regierung heißt Auslandsinvestitionen willkommen und hat entsprechende rechtliche und fiskalische Rahmenbedingungen geschaffen.“

Zudem werde der Finanzplatz Warschau „immer wichtiger“ – auch Dank einer massiven Privatisierungswelle. „Das ist eine gute Entwicklung, die sich unserer Meinung nach fortsetzen wird“, lobt Tils. Warschaus Börse ist inzwischen die größte der Region, hat auch Wien und Athen hinter sich gelassen.

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