Länderanalyse 2010
Türkei - zerrissen zwischen Ost und West

Die Türkei ist nach beiden Seiten offen und der Handel mit der arabischen Welt gewinnt gegenüber dem mit Europa an Bedeutung. Die Wachstumsaussichten des Landes sind gut - dank einer jungen, konsumfreudigen Bevölkerung und einer erstaunlich wirtschaftsfreundlichen Politik.
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ISTANBUL/DÜSSELDORF. Gewaltige Kuppeln, schlanke Minarette, prächtige Paläste: das ist die Kulisse des alten Konstantinopel. Aber wer vom Bosporus auf der Stadtautobahn nach Norden fährt, in die Finanzviertel Levent und Maslak, der sieht das moderne Istanbul. Hier wird die Skyline bestimmt von den immer höher in den Himmel wachsenden Hauptverwaltungen von Banken und Industrieholdings. Viele dieser Hochhäuser sind erst im vergangenen Jahrzehnt errichtet worden, und ständig kommen neue hinzu. Überall in der Metropole mit ihren 15 Millionen Einwohnern drehen sich die Baukräne.

Die Türkei ist ein Land im Aufbruch. Seit 2000 hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr als verdreifacht. Eine günstige Demografie und die geografische Lage zwischen Europa und Asien versprechen ein weiterhin starkes Wachstum. Das Land hat sich zum Westen wie zum Osten hin geöffnet - welche Handelsbeziehungen wichtiger werden, entscheidet sich auch an der umstrittenen Frage des EU-Beitritts.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres ist die türkische Wirtschaft um sagenhafte 11,7 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2009 gewachsen. Nur ganz wenige Länder auf der Welt schafften mehr. Für das Gesamtjahr erwarten Volkswirte ein Plus von sechs bis sieben Prozent. Die Regierung selbst hat ihre Wachstumsprognose von 3,5 Prozent auf 6,8 Prozent angehoben.

Ein Motor des Wachstums ist - neben der starken Exportwirtschaft - die junge, konsumfreudige Bevölkerung: Die Hälfte der gut 70 Millionen Türken ist jünger als 30 Jahre, das Durchschnittsalter im Land. Die UNO sagt voraus, dass die Türkei 2050 rund 97 Millionen Einwohner haben wird.

"Anatolische Tiger" verändern das Land

Istanbul ist nach wie vor das unbestrittene ökonomische und kulturelle Zentrum. Aber seit einigen Jahren entwickeln auch früher verschlafene Regionen eine eigene wirtschaftliche Dynamik. Von Städten wie Konya und Kayseri, Gaziantep und Adana spricht man bereits als den "anatolischen Tigern". Der ökonomische Aufschwung dieser einstigen Provinzstädte geht einher mit dem gesellschaftlichen Aufstieg einer neuen Mittelschicht, eines anatolischen Bürgertums.

"Der Dienstleistungsbereich boomt und dominiert die türkische Wirtschaft", heißt es in der Länderanalyse des Wirtschaftswissenschaftlers Bert Rürup für das Handelsblatt. "Er bezieht seine Dynamik vor allem aus dem Tourismus." Ein Anteil der Dienstleistungen von 70 Prozent an der Wertschöpfung entspreche der eines modernen westlichen Industriestaates.

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  • Der Gesunde Mann am Goldenen Horn.
    bitte kein Panik fuer D-F und A Laender. Der Kranke Mann am bosbhorus faengt sich auf und wird Gesund,zur Ueberraschung der Viele,die sich dies nicht wuenschen.Die Tuerkei muss nicht in die EU, weil Deutschland - Frankreich und Oesterreich'er Trio - nicht wollen, sondern werde erst dann Mitglied der EU, wenn er dies fuer Reif und noetig haelt !!

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