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Länderanalyse China: Ein Land auf der Überholspur

Das extreme Gefälle zwischen Stadt und Land ist Wachstumstreiber und Ansporn für die größte Wachstumsstory aller Zeiten – Nobelkarossen hier, harte Feldarbeit dort. Die städtische Mittelschicht gibt das Monatseinkommen eines Landarbeiters locker für einen einzigen Restaurantbesuch aus.

Überdimensionale Louis-Vuitton-Werbung in Peking: Die Ware kann gar nicht neu und chic genug sein. Quelle: ap
Überdimensionale Louis-Vuitton-Werbung in Peking: Die Ware kann gar nicht neu und chic genug sein. Quelle: ap

PEKING. In China kommen derzeit geradezu ideale Bedingungen zusammen, um Investoren in Euphorie zu versetzen. Auch vielen Unternehmern vor Ort ist dabei nicht bewusst, dass China vor hundert Jahren bereits Projektionsfläche für ganz ähnliche Hoffnungen war: „So viel scheint mir festzustehen, dass die chinesische Nation eine der größten, reichsten und angesehensten auf unserem Erdenrund zu werden bestimmt ist“, schreibt der Ökonom Joseph Lauterer im Jahr 1910 in einem viel beachteten Werk. Ein anderer Beobachter, Max Linde, prophezeite elf Jahre später eine hohe Nachfrage nach „unseren Maschinen, unseren Eisenbahnen, unseren Anilinfarben“.

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Tatsächlich schafften deutsche Firmen wie Krupp, BASF, Bayer, Siemens oder Bosch schon zur Kaiserzeit den Markteintritt – mussten sich in den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts jedoch wieder zurückziehen. Heute scheint endlich die Zeit gekommen, in der sich aus dem lange beobachteten Potenzial Chinas konkrete Chancen entfalten. „Aus einem ehemals sehr rückständigen Land wurde nunmehr eine Volkswirtschaft, die wirtschaftlich zu den bedeutendsten vier Schwellenländern gezählt wird“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup in seinem Handelsblatt-Länderreport zu China.

Das bevölkerungsreichste Land der Welt wächst derzeit so rasant wie keine andere große Volkswirtschaft. Während die Erinnerung an uniforme Gestalten in grauen Mao-Jacken im Westen noch vergleichsweise frisch ist, kauft eine neue Mittelklasse in der Realität des Jahres 2010 die Modeläden der zahllosen Einkaufszentren leer – die Ware kann gar nicht neu und chic genug sein.

Der Wille zur Bildung zeigt sich auch in der Statistik

Die deutsche Wirtschaft profitiert ganz besonders von den Trends in dem Aufsteigerland. Die immer weiter expandierende Industrie des Landes fragt in nie gekanntem Ausmaß Werkzeugmaschinen made in Germany nach. Das immer höhere Niveau der hergestellten Produkte und ein neuer Umwelttrend treiben zudem die Umsätze von Chemie- und Werkstofffirmen wie BASF oder Bayer. Bevorzugte Statussymbole der neuen Reichen sind Autos von BMW und Mercedes.

Die deutschen Exporte ins Reich der Mitte erreichten im vergangenen Jahr bereits 36,5 Milliarden Euro. „Im Rückblick des letzten Jahrzehnts kann China – nach offiziellen Angaben – auf beeindruckende Wachstumsraten zurückblicken“, sagt Rürup. Für die deutsche Wirtschaft identifiziert der Wirtschaftsberater große Möglichkeiten. Sowohl als Absatzmarkt als auch als Produktionsstandort werde die Bedeutung eher noch zunehmen. Auch Industrialisierung und Verstädterung hielten weiter an und schafften neuen Bedarf an Ausrüstung und Konsumwaren.

Es ist nicht nur die schiere Größe, die Chinas Stärke zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmacht. Im Vergleich zu anderen Industrie- und Schwellenländern fällt etwa die extreme Lernbereitschaft der Mitarbeiter auf. „Für mich ist hier am faszinierendsten der Wille, Neues zu begreifen – egal, wen Sie treffen“, sagt Uwe Raschke, der von Schanghai aus das Asien-Pazifikgeschäft von Bosch leitet. Der Wille zur Bildung zeigt sich auch in der Statistik: Es studieren etwa ein Fünftel jedes Jahrgangs an Hochschulen. Das ist „ein Wert, der zumindest für ein Entwicklungsland überdurchschnittlich hoch ist“, heißt es im Report von Rürup und seinem Beraterteam der Maschmeyer-Rürup AG.

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