Ökonom Bert Rürup: Mehr Reformen in Deutschland

Ökonom Bert Rürup
Mehr Reformen in Deutschland

Deutschland hat nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Bert Rürup gute Zukunftschancen, braucht aber weitere Reformen. Ein zentrales Problem sei die Demografie, schreibt Rürup in einem Beitrag für das Handelsblatt.
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HB DÜSSELDORF. Das Potenzial an Erwerbstätigen nehme in den nächsten Jahrzehnten schneller ab als die Bevölkerungszahl insgesamt. "Die wachstumsdämpfenden Risiken dieser Entwicklung und der daraus erwachsende Handlungsbedarf werden unzureichend problematisiert", warnt er. Um gegenzusteuern, seien ein leistungsfähigeres Schulsystem, eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit und eine an Arbeitsmarktkriterien orientierte Zuwanderungspolitik nötig.

Die Regierung habe bereits einiges unternommen, um das Abgabensystem beschäftigungs- und wachstumsfreundlicher zu gestalten, doch noch immer sei der Faktor Arbeit zu stark mit Abgaben belastet. Hier bringt der Ökonom, der von 2005 bis 2009 Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung war, Freibeträge bei den Sozialabgaben und höhere Steuerzuschüsse an die Sozialversicherung ins Spiel. Außerdem spricht er sich für mehr steuerliche Anreize für Forschung und Innovation aus. Insgesamt fällt Rürups Urteil positiv aus: "Die Zukunftschancen sind besser als viele vermuten - vorausgesetzt, die Politik findet zu Mut und Entscheidungskraft zurück."

Die Deutschland-Analyse bildet den Auftakt zur Handelsblatt-Serie "Länderanalyse 2010", in der bis Weihnachten die Geschäftsmodelle von 15 ausgewählten Staaten von Polen bis China auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Serie beruht auf den Analysen Rürups und den Recherchen der Handelsblatt-Korrespondenten vor Ort.

Kommentare zu " Ökonom Bert Rürup: Mehr Reformen in Deutschland"

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  • "Die Zukunftschancen sind besser als viele vermuten - vorausgesetzt, die Politik findet zu Mut und Entscheidungskraft zurück."

    Oh, da braucht er sich keine Sorgen machen. immer dann, wenn es um Steuer- und Abgabenerhöhungen für den Normalbürger geht, dann ist der Mut und die Entscheidungskraft unserer Politiker sehr groß. Und so wie die Politik mit dem Steuerzahler in diesem Land umspringt, braucht man sich auch nicht wundern, dass die Geburtenzahlen rückläufig sind. Deshalb hofiert man auch nur die Zuwanderer. Deshalb wird auch die Sarrazin-Meinung abgewürgt. Denn glaubt man den politisch gekauften Medien werden die Zuwanderer ja für eine starke deutsche Wirtschaft gebraucht. Warum es kaum noch Kinder von Deutschen in diesem Land gibt, ist doch egal.

  • Herr Rürup scheint erkannt zu haben, was unsere Rentnerpolitiker nicht wissen wollen: Die belastung selbst gering bezahlter Arbeitnehmer mit Sozialabgaben ist zu hoch (im Verhältnis zur Steuerbelastung Vermögender). Das führt zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten.

    Und für gut ausgebildete und arbeitswillige Zuwanderer ist Deutschland gerade wegen dieser belastungen/Abzüge zu wenig attraktiv.

    Wieso sollte dieser potentielle Einwanderer eigentlich die hunderte von Milliarden für unsere Senioren mitfinanzieren wollen, wenn es Länder gibt, bei denen er sein sauer verdientes Geld behalten (!) darf, anstelle es einer maroden Rentenkasse anvertrauen zu müssen?

  • @Peter C.:
    So wirds sein. Die MaschmeyerRürup AG wird Vorschläge unterbreiten ......

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