Russland
Der veraltete Industriestaat braucht frischen Wind

Russland ist ein veralteter Industriestaat, und ein wirksames Rezept gegen die sedierende Wirkung des Ressourcenreichtums ist noch nicht Sicht. Eine spürbare ökonomische Revitalisierung wird auf sich warten lassen, solange die russische Gesellschaft noch so stark vom „Korruptionsvirus“ befallen ist.

FRANKFURT. Russland ist das größte und rohstoffreichste Land der Erde. Einer über 350 jährigen Diktatur der Zaren folgte die 70 Jahre währende Diktatur des Proletariats. Glasnost und Perestroika – Transparenz und Umgestaltung – haben bis heute die aus den Trümmern der Sowjetunion entstandene Russische Föderation nicht zu einem Staat gemacht, der sich den demokratischen Grundsätzen westlicher Prägung verpflichtet fühlt.

Man mag dies bedauern, aber Fakt ist, dass eine gelebte Demokratie keine zwingende Voraussetzung für das nachhaltige Wirtschaftswachstum eines Landes ist, wohl aber dessen politische Stabilität.

Russland ist seit zehn Jahren ein politisch stabiler Staat und dürfte es auch auf absehbare Zeit bleiben. Wladimir Putin war und ist sicher keine lupenreiner Demokrat, aber er war der erste gewählte Präsident, der bemüht war, das staatliche Gewaltmonopol gegenüber dem Netz der Oligarchen durchzusetzen. Weniger erfolgreich war er im Kampf gegen die Korruption. Er wie auch sein Nachfolger haben es zudem bislang nicht geschafft, die unübersehbaren Modernisierungsdefizite dieser Volkswirtschaft in relevantem Maße abzubauen.

Wurzel der geringen Produktivität des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks ist die fragwürdige Art der Privatisierung nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus vor zwanzig Jahren. Diese führte zu einer Konzentration der Eigentumsrechte in den Händen Weniger. Außerdem behinderte sie das Entstehen eines innovativen industriellen Mittelstands. Die russische Ökonomie setzt bis heute in erster Linie auf den Rohstoffhunger der Welt – und ist damit abhängig von den Weltmarktpreisen.

Die Industrialisierung Russlands begann zunächst zögerlich Ende des 19. Jahrhunderts und damit deutlich später als in Westeuropa. Seit Ende der 1920er Jahre wurde sie unter Stalin dann brutal erzwungen, so dass dieses Land in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts – neben den USA – die zweite Hegemonialmacht war.

Seite 1:

Der veraltete Industriestaat braucht frischen Wind

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%