Trotz glänzender Wirtschaftsaussichten
Für Polen gibt es noch einiges zu tun

Polens Ökonomie beeindruckt: 2009 hatte Deutschlands Nachbar mit 1,8 Prozent das stärkste Wirtschaftswachstum aller OECD-Länder. Von Rezession keine Spur. Für 2010 rechnen Experten gar mit einem Wachstum von über drei Prozent. Doch trotz der glänzenden Zukunftsaussichten hat Polen noch viele Hürden zu nehmen.

HB. Die Handelsbeziehungen zwischen Polen und Deutschland werden enger: Polen hat inzwischen sogar dem Riesenreich Russland den Rang als größter deutscher Handelspartner in Osteuropa abgelaufen. Im ersten Halbjahr lieferten deutsche Exporteure Waren für 17,9 Mrd. Euro nach Polen und für 11,4 Mrd. nach Russland. Zugleich werden aber auch deutsche Firmen und Verbraucher für polnische Exporteure immer bedeutender: In den ersten sechs Monaten legten Polens Ausfuhren nach Deutschland um 22,8 Prozent auf 13,5 Mrd. Euro zu.

Und diese Zahlen sind keine Eintagsfliegen, sondern inzwischen verfestigte Trends: Mittlerweile verkaufen deutsche Exporteure rund vier Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren an ihre polnischen Nachbarn. Das entsprach 2009 einem Exportvolumen von rund 32 Mrd. Euro. Damit rückte das Nachbarland unter die zehn bedeutendsten Handelspartner der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Aus Sicht des Expertenteams um Ökonom Bert Rürup spricht nichts gegen eine Fortsetzung dieses Trends. Denn, so argumentieren sie, die zunehmende Handelsverflechtung sei "auch Folge der Modernisierung und des Aufholprozesses in Polen". Ein Blick in die Statistiken zeigt: 2009 zählten insbesondere Güter aus den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeugbau und Chemie zu den exportierten Gütern.

Darin ist vor allem auch die immense Bedeutung der Bundesrepublik für Polen ablesbar: Mehr als ein Fünftel der polnischen Importe kamen vergangenes Jahr aus Deutschland. Mehr als ein Viertel der polnischen Ausfuhr ging nach Deutschland. Durch die deutsche Brille betrachtet liest sich das so: Die Deutschen bezogen 2009 Waren im Wert von 23 Mrd. Euro aus Polen - das waren knapp 3,5 Prozent der deutschen Einfuhr.

Die direkte Nachbarschaft und die bereits bestehenden Verflechtungen über Direktinvestitionen und Handelsströme ermöglicht der deutschen Wirtschaft laut Rürup "exzellente" Chancen, am Aufholprozess der polnischen Ökonomie zu partizipieren. Das gelte mit und ohne Beitritt Polens zur Euro-Zone.

Noch eine Parallele zwischen beiden Ländern, die einst eine schwierige Vergangenheit spaltete, besticht: Innerhalb von 15 Jahren hat Polen aufgrund seiner marktwirtschaftlichen Reformen seinen Offenheitsgrad auf 78 Prozent verdoppelt. Das ist die Summe der Ex- und Importe in Relation zum Bruttoinlandsprodukt und das gängige Maß für die Integration eines Landes in die internationale Arbeitsteilung. Polen kommt so auf das Niveau Deutschlands.



Demografie: Zahl der Erwerbstätigen wird sinken

Aktuell sind knapp 72 Prozent der rund 38 Millionen Menschen in Polen im erwerbsfähigen Alter, also im Alter von 15 bis 64 Jahren. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Anteil derzeit dagegen nur bei etwa zwei Drittel. Das Wissenschaftler-Team um Bert Rürup ist sich aber sicher: Der hohe Wert in Polen stellt "das historische Maximum" dar. Sprich: Das Erwerbspersonenpotenzial, wie es in der Sprache der Ökonomen heißt, werde kontinuierlich und deutlich sinken.

Schon in zwei Jahrzehnten, so ihre Prognose, wird der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter in Polen auf rund 64 Prozent zurückgegangen sein. In vier Jahrzehnten wird er mit rund 57 Prozent noch niedriger sein - und den entsprechenden Wert für Deutschland dann nur noch geringfügig übertreffen.

Die Folge dieser Entwicklung liegt für die Ökonomen auf der Hand: Die Bevölkerungsstruktur in Polen wird weniger "wachstumsfreundlich".

Schon heute ist die Geburtenrate in Polen niedriger als in Deutschland: Sie liegt bei 1,27 Geburten pro Frau. Aufgrund dieser geringen Geburtenzahlen und trotz einer steigenden Lebenserwartung wird die Bevölkerungszahl in Polen, so prognostiziert es die Uno, in den kommenden 20 Jahren auf 36,2 Millionen sinken. Dieser Trend wird anhalten: Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerungszahl auf 32 Millionen Einwohner geschrumpft sein, so die Vorhersage.

Seite 1:

Für Polen gibt es noch einiges zu tun

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%