Vereinigte Arabische Emirate
Suche nach Wohlstand abseits der Bohrtürme

Noch sprudeln in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die Petrodollars, doch ein Ende des Ölbooms ist absehbar. Die Politik muss jetzt versuchen, die Wirtschaft auf die Zeit nach dem Öl vorzubereiten. Dazu muss das Herrschaftssystem ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwerfen.

FRANKFURT. Außenpolitisch und verteidigungspolitisch treten die 1971 gegründeten "Vereinigten Arabischen Emirate" (VAE) als ein Staat mit einer nationalen Identität auf. Im Binnenverhältnis ist dagegen der Autonomiegedanke in den sieben Scheichtümern immer noch stark ausgeprägt. Die Staatsform dieser Vereinigung wird deshalb vom deutschen Auswärtigen Amt gleichermaßen differenziert wie unverständlich als "Patriarchalisches Präsidialsystem mit traditionellen Konsultationsmechanismen" bezeichnet. Dank des Ölreichtums von Abu Dhabi und in Grenzen von Dubai sowie eines trendmäßig steigenden Rohölpreises boomte die Volkswirtschaft dieses jungen Staatenbundes - zumindest bis zum Ausbruch der jüngsten Finanzkrise.

Allerdings stehen den durchschnittlichen Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts in der beachtlichen Größenordnung von sechs Prozent als Schattenseiten das Fehlen jedweder Arbeitnehmerrechte und die nur befristeten Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen der vielen ausländischen Arbeitskräfte gegenüber. Das ist nicht zuletzt Folge eines patriarchalischen Absolutismus der Herrscherfamilien. Außerdem gibt es kein Sozialversicherungssystem. Nur in Abu Dhabi kennt man so etwas wie eine Krankenversicherungspflicht.

Der ausgeprägte Wille der Herrscherfamilien, die Machtstrukturen zu konservieren, war stets begleitet von dem Wunsch nach einer wirtschaftlichen Modernisierung, um die Erdölabhängigkeit zu lockern. Bereits in den 1970er Jahren, als die Erdölquellen als Folge der aggressiven Preispolitik der OPEC fiskalisch ergiebig sprudelten, waren die damaligen Herrscher so klug, Teile des neuen Reichtums über Staatsfonds in Westeuropa zu investieren.

Diese Politik, die eigene Volkswirtschaft auf eine Post-Ölzeit vorzubereiten, liegt sowohl im Interesse der VAE als auch der Zielunternehmen dieser Beteiligungen. Vorbildhaft waren der mit den Petrodollars vorangetriebene Ausbau des Straßennetzes und der luftverkehrstechnischen Infrastruktur sowie die touristische Erschließung des Wüstenstaates. Die Fluggesellschaft Emirates ist hochprofitabel, der Hafen von Dubai ist zu einer der wichtigsten Containerdrehscheiben geworden, und die Kohlendioxid freie Stadt Masdar-City ist zweifellos ein innovatives Pionierprojekt.

In einem finanziellen Desaster dagegen endete der Versuch Dubais, sich als Einkaufszentrum und Zweitwohnsitz der Reichen dieser Welt zu profilieren. So funkelnd die Shopping Malls, so prächtig die Luxushotels, so modern die Bürotürme und so exklusiv die Luxuswohnanlagen auf den künstlichen Inseln dieses Scheichtums auch sein mögen, so haben doch die letzten zwei Jahre gezeigt, dass nachhaltige Profitabilität anders aussieht. Ohne die Unterstützung aus dem weniger nach Prestige heischenden Abu Dhabi hätte eine Reihe der milliardenschweren Prestigeobjekte von Scheich Muhammad Al Maktum Konkurs anmelden müssen. Die steinernen Mahnmale der geplatzten Immobilienblase werden noch lange Hindernisse für die nachhaltige Emanzipation vom Erdöl sein.

Das derzeitige Herrschaftssystem einer aufgeklärten Autokratie widerspricht westlichen Demokratievorstellungen, doch ist es Garant dafür, dass die VAE auch künftig nicht dem Ressourcenfluch erliegen werden. Die Regierenden werden weiter nach Wegen in eine wirtschaftliche Zukunft suchen, in der der Wohlstand nicht nur aus den Ölquellen kommt. Die Dubai-Pleiten haben aber gezeigt, dass sich solch ein nachhaltiges Geschäftsmodell weder auf dem Reißbrett entwerfen noch schnell umsetzen lässt. Noch kommt der Reichtum aus den Bohrlöchern

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