Von wegen "down under"
Australien, ein Land oben auf

Die Finanzmarktkrise hat Australien nahezu unbeschadet überstanden. Schnell umgesetzten, klugen Konjunkturprogrammen sei dank. Vor allem der Rohstoffreichtum und beharrliche Deregulierung haben bereits in den Jahren davor dafür gesorgt, dass die Wirtschaft am anderen Ende der Welt floriert.

FRANKFURT/SYDNEY. Gerade einmal drei entwickelten Volkswirtschaften gelang im vergangenen Krisenjahr ein historischer Erfolg: Sie wuchsen - mitten in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Australien zählte dazu. 22 Millionen Einwohner erwirtschafteten 2009 einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

Die Tatsache, dass Australien die Finanzkrise praktisch unbeschadet überstanden hat, ist nicht nur auf die Stabilität des Bankensystems zurückzuführen - sondern auch und vor allem die staatlichen Stimuli. Für sein rasch in Kraft gesetztes Konjunkturpaket erhielt das Land Lob aus prominentem Munde: von den Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ebenso wie von dem amerikanischen Starökonom Joseph Stiglitz.

Das einst stark regulierte Land ist inzwischen eine der stärksten deregulierten Ökonomien

"Eines der am besten gestalteten keynesianischen Konjunkturpakete weltweit" habe der damalige Labor-Premierminister Kevin Rudd zu Beginn der Globalen Finanzkrise geschnürt, urteilte Nobelpreisträger Stiglitz während eines Besuches in Australien. Rudd habe erkannt, "dass man schnell handeln und rasch Geld ausgeben muss". In einem ersten Schritt habe die Regierung Barzuschüsse verteilt, in einem zweiten Investitionen nachgeschoben, die längerfristig wirkten. Das Ergebnis: Australien habe "die kürzeste und sanfteste Rezession aller hoch entwickelten Industrieländer durchlaufen", so Stiglitz.

Das gut gemeisterte Krisenjahr 2009 folgte auf eine lange Reihe wachstumsstarker Jahre. "Aus dem ursprünglichen stark regulierten Agrar- und Rohstoffland wurde in den letzten 25 Jahren - angeschoben durch die Reformen der Labor-Politiker Bob Hawke und Paul Keating - nicht nur eine der am stärksten deregulierten Ökonomien der Welt, sondern auch seit den 1990er Jahren eines der wachstumsstärksten OECD-Länder", stellt der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup, Vorstandsmitglied des Beratungs- und Analysehauses Maschmeyer Rürup AG, in seiner Länderanalyse für das Handelsblatt fest. In den Jahren 1990 bis 2009 sei die australische Wirtschaft durchschnittlich jährlich um 3,2 Prozent gewachsen.

Australien profitiert von seinem großen Reichtum an Rohstoffen

Dass Australien zu den "modernsten und zugleich wirtschaftlich leistungsfähigsten Ländern der Welt" zählt, wie Rürup bilanziert, liege auch und vor allem an seinem "natürlichen, intelligent eingesetzten Rohstoffreichtum". Gerade nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise kristallisiere sich die Region Südostasien/Ozeanien zusammen mit den wirtschaftlichen Schwergewichten China und Indien als direkten Nachbarn als neues Gravitationszentrum des Welthandels heraus. Vergangenes Jahr löste Australien China als größten Eisenerzproduzent der Welt ab, das geht aus Daten der Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD hervor. Auch bei den an Bedeutung gewinnenden Industriemetallen Titan, Lithium, Gold und Aluminium zählt Australien zu den weltgrößten Produzenten.

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