Länderbericht
China muss auf die Konjunkturbremse treten

Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigt sich in seinem erstmals veröffentlichten Länderbericht über die Volksrepublik China noch nicht vollends überzeugt, dass der chinesischen Wirtschaft einen „weiche Landung“ der noch boomenden Konjunktur gelingen wird.

HB DÜSSELDORF. Das makroökonomische Management der Regierung zeige zwar Wirkung. Die geld- und fiskalpolitischen Zügel müssten aber weiterhin straff angezogen werden, um die Abkühlung der überhitzten Wirtschaft nicht zu gefährden.

Das starke Wachstum der Kreditvergabe sowie der öffentlichen Investitionen bleibe ebenso wie die Inflationsentwicklung ein Grund zu Sorge, erklärt der IWF nach Abschluss der Artikel-IV-Konsultationen. Peking müsse die strukturellen Reformen beschleunigen, auch um das Risiko neuer fauler Kredite zu dämpfen. Nur wenn diese Schritte gelingen, seinen die mittelfristigen Aussichten positiv. Chinas Zentralbank stimmt dem Währungsfonds zwar grundsätzlich zu, verweist allerdings darauf, dass der IWF seine Beurteilung auf Daten stützt, die nur die ersten sechs Monate dieses Jahres berücksichtigen. Einige Analysen müssten daher angepasst werden, sagte ein Sprecher der People’s Bank of China. Auch der Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley, Steven Roach, hält die Bewertung des IWF für überholt. „China hat gute Fortschritte bei der Abkühlung der Konjunktur erzielt“, sagte Roach am Montag. „Es sieht nicht nach einer harten Landung der Wirtschaft aus.“

Der IWF drängt indes auf eine anhaltend wachsame Wirtschaftspolitik. „Das größte Risiko ist derzeit, dass die bislang getroffenen politischen Maßnahmen nicht ausreichen, um eine weiche Landung herbeizuführen.“ Nicht ausgereiztes Potenzial sieht der Fonds unter anderem in der Verteuerung von Krediten. Peking habe genügend Spielraum, um die Zinsen weiter zu erhöhen, heißt es in den IWF-Empfehlungen. Das wäre ein klares Signal für eine straffere Geldpolitik. Neue Zinserhöhungen hält Roach jedoch für unwahrscheinlich. „Weitere politische Bremsmanöver sind zwar unausweichlich. Aber das bedeutet für mich nicht notwendigerweise eine restriktivere Politik der Zentralbank.“ China hatte im Oktober erstmals seit neun Jahren die Kredit- und Darlehenszinsen um 27 Basispunkte angehoben.

Für dieses Jahr prognostiziert der Fonds ein Wirtschaftswachstum von rund 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vierte Quartal dürfte die Wachstumsrate bei 7,5 Prozent liegen. China hatte erste Bremsmanöver Ende 2003 eingeleitet. Dennoch wuchs die Wirtschaft in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um durchschnittlich 9,5 Prozent.

Besorgt zeigt sich der Fonds, dass eine strikte Geld- und Kreditpolitik durch den anhaltend hohen Kapitalzufluss nach China erschwert werde. Daher sei eine flexiblere Wechselkurspolitik im Interesse Chinas, um eine unabhängige Geldpolitik betreiben und die Wirtschaft besser gegen künftige Schocks wappnen zu können. Die Zentralbank zeigte sich grundsätzlich für die IWF-Empfehlungen aufgeschlossen. China werde Reformen vorantreiben, um einen flexibleren Wechselkursmechanismus zu erreichen, sagte der Bankensprecher in Peking. Bislang hat Peking den Yuan mit einem Kurs von 8,28 an den Dollar gebunden.

Der IWF attestiert der chinesischen Regierung Fortschritte bei der Bankenreform, vor allem bei den beiden Staatsbanken, die derzeit mit frischem Kapital ausgestattet werden. Gleichzeitig mahnt er, das übrige Bankensystem nicht zu vernachlässigen. Die schnelle Expansion der Kreditvergabe berge ein erhöhtes Risiko wieder steigender fauler Kredite. Reformen erwartet der Fonds auch bei der Umstrukturierung der Staatskonzerne, der Umsetzung der WTO-Verpflichtungen, der Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes und der Verbesserung des Statistikwesens.

Ein wichtiger Schlüssel für eine effiziente Haushaltspolitik sind nach Auffassung des Fonds die Staatsausgaben. China habe erste Schritte bei der Entwicklung eines einheitlichen Rechnungswesen gemacht, weitere Verbesserungen beim Cash-Management seinen jedoch unumgänglich. Chinas stellvertretender Finanzminister Lou Jiwei sicherte gestern zu, Peking werde auch im kommenden Jahr auf die Bremse treten, um das Wirtschaftswachstum zu zügeln. „Wir werden das Budgetdefizit abbauen und die Staatsausgaben senken.“

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