Länderbericht
OECD warnt Südkorea vor Aktivismus

Die internationale Organisation OECD hat einen kritischen Bericht für Südkorea vorgelegt. Sie rät darin, Immobilienpreise dem Markt zu überlassen. Und warnt das Land, eine zu strarke Exportorientierung schaffe Ungleichgewichte

Von Finn Mayer-Kuckuk, Tokio

Angesichts einer etwas schwächeren Konjunktur warnt die OECD Südkoreas Regierung vor übertriebenen Eingriffen am Immobilienmarkt oder Versuchen, die Konjunktur künstlich zu beleben. „Die Sorge wächst, dass Koreas Wachstumspotenzial schwindet während das Einkommen pro Kopf sich noch ein Drittel unter dem Durchschnitt Durchschnitt der OECD befindet“, heißt es in im alle zwei Jahre erscheinenden Wirtschaftsbericht zu Südkorea.

Die Wirtschaft Koreas wuchs in den vergangenen Jahren unter allen 30 Mitgliedsländern der OECD mit am schnellsten. Die Nachfrage kam dabei hauptsächlich aus dem Ausland: Entwickelte Länder kauften Elektronik, China stellte sich als großer Absatzmarkt für Waren aller Art heraus. Da der Verbrauch im Inland jedoch nicht Schritt hielt, entstand ein Ungleichgewicht, warnt die OECD: Die Industrie, vor allem die Großunternehmen, konnte eine sehr starke Position aufbauen, während der Dienstleistungssektor und der Mittelstand nicht so schnell voran kamen. Dadurch entstanden Ungleichgewichte, die zusammen mit schwacher Produktivität nun aufs Wachstum schlagen. Nach einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts von fünf Prozent im Jahr 2006 erwartet die OECD für 2007 noch 4,25 Prozent. 2008 soll es mit 4,75 Prozent weitergehen. Durch die relativ schwankende Wirtschaftsentwicklung drohen immer schärfere Einkommensunterschiede – schon jetzt nehme die Armut deutlich zu.

Drohende Ungleichheit der Einkommen ist auch einer der Gründe für die südkoreanische Regierung, derzeit mit einem ganzen Paket von Gesetzen gegen Immobilienspekulationen in der Hauptstadt Seoul vorzugehen. Eine weitere Motivation für die Kampagne ist die Furch vor einer Blase der Grundstückspreise, wie sie Anfang der 90er-Jahre Japans Wirtschaft lahm gelegt hat.

Doch die OECD kritisiert das Bündel aus höheren Steuern und geldpolitischen geldpolitischen Signalen: „Die veschiedenen Maßnahmen gegen so genannte spekulative Nachfrage könnte eines Tages sogar Wohnungsnot hervorrufen. Die Regierung sollte besser langfristig planen und bei-spielsweise etwas für die Ausbildungsmöglichkeiten in anderen Landesteilen tun.“ Viele südkoreanische Eltern und junge Leute ziehen nach Seoul, weil die Schulen und Universtitäten dort praktisch ein Monopol auf prestigeträchtige Abschlüsse haben. Der OECD zufolge sollte der Staat seine Markteingriffe schleunigst zurückfahren, zumal sich sowohl Preisniveau der Immobilien als auch die Geschwindigkeit des Anstiegs noch unter dem Durchschnitt der Mitgliedsländer befinde. Zudem habe gerade das Beispiel Japan gezeigt, dass sich eine Blase durch Verordnungen der Regierung nicht aufhalten lasse.

Seite 1:

OECD warnt Südkorea vor Aktivismus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%