Längere Arbeitszeiten sollen helfen
Ifo: Deutschland bleibt EU-Schlusslicht

Der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts, Hans-Werner Sinn, meint, dass Deutschland auch 2005 langsamer wächst als das übrige Europa. Von steuerfinanzierten Konjunkturprogrammen hält er wenig - er befürwortet aber eine Reform der Unternehmenssteuer.

HB DÜSSELDORF. Deutschland wird nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts auch in diesem Jahr bei der Konjunktur im Euroraum Schlusslicht sein. Über den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre hätte Deutschland damit von allen Ländern West- und Mitteleuropas im Schnitt das schwächste Wachstum aufgewiesen, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München.

Lediglich Länder wie Rumänien und Bulgarien hätten noch niedrigere Raten. „Auch Deutschland hat derzeit einen kleinen Aufschwung, aber er befriedigt uns nicht, weil er zu schwach ist.“

Anders als andere Forschungsinstitute, die in den vergangenen Tagen ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr gesenkt hatten, hielt Sinn aber an der Ifo-Konjunkturprognose fest. „Unsere letzte Prognose ist 1,2 Prozent und dabei bleibt es vorläufig.“

In der Diskussion über Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums in Deutschland warnte Sinn davor, zusätzliche Schulden zu machen, die positive Impulse wieder aufheben könnten. „Von Konjunkturprogrammen halte ich im Grunde gar nichts“, sagte Sinn. Sie bewirkten in der Regel lediglich Strohfeuer. Zu befürworten seien aber Maßnahmen wie eine umfassende Unternehmenssteuerreform und die Streichung der Eigenheimzulage.

Dadurch frei werdende Mittel könnten dann an anderer Stelle besser eingesetzt werden. Von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer riet Sinn dagegen ab. Sie erhöhe lediglich die in Deutschland ohnehin schon hohe Staatsquote. „Eine Mehrwertsteuererhöhung würde natürlich das Leben für Herrn Eichel erleichtern, würde aber auch das Leben für viele Menschen erschweren.“

Um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, seien längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich ein sinnvolles Mittel, sagte Sinn. „Ich würde meinen, wenn man von 38 Stunden tarifliche Arbeitszeit auf 42 geht, ist das machbar.“ Dadurch würden sich die Lohnkosten in Deutschland um zehn Prozent verringern.

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