Längere Hilfen für US-Banken
Fed hat Angst vor riesigem Scherbenhaufen

Immer neue Schreckensmeldungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise könnten die US-Notenbank Fed dazu zwingen, dem amerikanischen Bankensystem noch länger zur Seite zu stehen. Diese Aussicht beflügelte zumindest die US-Märkte.

HB WASHINGTON. Die Federal Reserve prüfe derzeit mehrere Möglichkeiten, darunter auch eine Verlängerung ihrer Notfall-Versorgung mit frischem Zentralbankgeld über den Jahreswechsel hinaus, sagte Zentralbank-Chef Ben Bernanke am Dienstag in Arlington. „Dies gilt für den Fall, dass die ungewöhnlichen und anspruchsvollen Umstände anhalten, die derzeit die Liquiditätslage bestimmen.“ Die Fed beobachte derzeit die Entwicklungen an den Finanzmärkten sehr genau.

Die vor Börseneröffnung in Aussicht gestellte Verlängerung der Kreditvergabe an die größten Wall-Street-Banken zur Überwindung der Kreditkrise hob am Dienstag die Stimmung auf dem US-Parkett. Die US-Börsen starteten mit Kursgewinnen in den Handel.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die Fed zusätzliche Kreditlinien für die großen Banken bereitgestellt, damit sich diese bei einem Austrocknen des Geldmarktes leichter bei der Notenbank refinanzieren können.

Nach einer kurzen Atempause hat die Furcht vor den Folgen der US-Immobilienkrise zuletzt wieder drastisch zugenommen. Der US-Investmentbank Lehman Brothers zufolge droht den beiden Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac Kapitalbedarf in Milliardenhöhe. Wegen einer anstehende Änderung in der Rechnungslegung könnte Fannie Mae nach Berechnungen von Lehman eine Kapitalspritze von 46 Milliarden Dollar benötigen, während Freddie Mac 29 Milliarden Dollar fehlen könnten. Die Aktien von Freddie Mac und Fannie Mae stürzten am Montag deshalb in New York zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 1992 ab.

Fannie Mae und Freddie Mac gehören zu den großen Verlierern der Kreditkrise und mussten deshalb bereits Verluste von zwölf Milliarden Dollar in Kauf nehmen. Die beiden Hypotheken-Giganten müssen derzeit den Balanceakt vollführen, einerseits den Kollaps des US-Häusermarktes zu verhindern und andererseits ihre eigenen Verluste in Grenzen zu halten.

Analysten erklärten Bernankes Aussagen mit der Angst der Fed, im akuten Krisenfall vor einem riesigen Scherbenhaufen namens Finanzsystem zu stehen und nichts mehr tun zu können. „Das letzte, was er will, ist, jetzt nichts mehr zu tun und dann mit ansehen zu müssen, wie ein großes Institut kollabiert. Wenn jetzt mit den neuen Nachrichten zu Fannie Mae und Freddie Mac eines klar geworden ist, dann, dass die Panik am Markt keineswegs vorbei ist“, sagte ein Fondsmanager in New York.

Die US-Notenbank erwägt angesichts anhaltender Probleme des Finanzsektors, ihre im März begonnene Kreditvergabe auch an Investmentbanken bis in nächste Jahr hinein zu verlängern. Das Kreditprogramm der Zentralbank stand zuvor nur Geschäftsbanken offen.

In Folge der Turbulenzen um die Investmentbank Bear Stearns ließ die Fed im Frühjahr die Vergabe auch an Wall-Street-Firmen zu. Zunächst hatte es geheißen, Investmentbanken könnten sich nur ein halbes Jahr lang auf diese Weise mit frischem Geld versorgen.

Kritiker hatten bemängelt, Wall Street werde nach den Exzessen auf dem Kredit- und Immobilienmarkt damit von der Fed freigekauft. Die US-Notenbank hatte jedoch im Juni erklärt, der Finanzsektor leide nach wie vor „unter beträchtlichem Stress“. In seiner Rede am Dienstag unterstrich Bernanke, dass sich die Federal Reserve zur Finanzmarktstabilität „nachhaltig bekennt“.

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