Lage der Banken wird besser
EZB signalisiert längere Zinspause

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist optimistischer für die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum geworden. Gleichwohl bestehen aber weiterhin noch Risiken für den erwarteten Aufschwung.

noh FRANKFURT/M. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Bank hervor. Die Inflationsrate sieht die Notenbank bis zum Jahresende um die Marke von zwei Prozent schwanken. Im nächsten Jahr werde sie deutlich zurückgehen.

Bankvolkswirte schlossen aus den Formulierungen der EZB, dass diese in den nächsten Monaten wohl keine Zinsänderung beschließen wird. Mittelfristig sehen aber viele der Experten weiter Spielraum für eine zusätzliche Zinssenkung. „Die Erwartung einer zögerlichen Konjunkturerholung, gibt der EZB zusammen mit der Prognose sinkender Inflationsraten Raum für eine weitere Zinssenkung gegen Jahresende“, kommentierte Christel Aranda-Hassel von Credit Suisse First Boston in London den Bericht.

Die bisherigen Zinssenkungen haben sich bei den Unternehmen noch nicht in einer Verbesserung der Verfügbarkeit von Krediten niedergeschlagen. Dies hat die vierteljährliche Bankenumfrage der EZB zum Kreditgeschäft ergeben. Der Zugang der Unternehmen zu den Bankkrediten sei im zweiten Quartal nochmals schwieriger geworden, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor. Der Umfrage zufolge rechneten die Kreditverantwortlichen per Saldo mit einer weiteren Verschärfung der Vergabebedingungen. Doch dürften Breite und Ausmaß der Verschärfung nach den Erwartungen der Banken erneut nachlassen.

Für die zunehmende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe wird das steigende Insolvenzrisiko auf Grund der schwachen Wirtschaftsentwicklung verantwortlich gemacht. Ein weiterer Grund sei die schlechte Ertragslage der Banken. In einer gesonderten Untersuchung setzt sich die EZB daher mit der Lage des Bankensektors auseinander. Sie stellt fest, dass sich dessen Aussichten „tendenziell stabilisiert und zuletzt sogar verbessert haben“. Dennoch gelte es wachsam zu bleiben.

Hauptgrund zur Sorge für die Notenbank ist die hohe Verschuldung des Unternehmenssektors: Die Rückstellungen der Banken für Kreditausfälle steigen typischerweise mit etwa einem Jahr Verzögerung nach einer Verschlechterung der Finanzlage der Unternehmen. Daraus schließt die EZB, dass die Kreditabschreibungen der Banken, die im vergangenen Jahr bereits in die Höhe geschossen waren, kurzfristig noch weiter zunehmen könnten. Sollte sich jedoch die Erwartung einer allmählichen Konjunkturerholung erfüllen, dürfte nach dem Urteil der Notenbank auch der Bankensektor allmählich die Talsohle durchschreiten.

Für Josef Trischler, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft beim Machinenbauer-Verband VDMA ist die entscheidende Frage, ob die Banken den Unternehmen genügend Kredit zur Verfügung stellen werden, wenn die Konjunktur anspringt und der Kreditbedarf für Investitionen wieder zunimmt. Die Analyse der Europäischen Zentralbank gibt hier Anlass zur Hoffnung. „Es besteht immer mehr Grund für die Erwartung, dass sich die Wirtschaftstätigkeit im zweiten Halbjahr allmählich erholen und im Jahr 2004 weiter festigen wird“, stellt die EZB fest .

Zur Begründung verweist sie in erster Linie auf Hinweise, dass sich das Vertrauen in der Wirtschaft stabilisiert. Zudem dürfte eine Erholung der Auslandsnachfrage die Konjunktur stützen. Ganz sicher ist sich die EZB ihrer Sache noch nicht. „Allerdings bestehen nach wie vor Abwärtsrisiken für dieses Hauptszenario, auch wenn sie in letzter Zeit etwas nachgelassen haben könnten“, heißt es in dem Bericht.

Als größtes Risiko nennt die Notenbank „gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte außerhalb des Euro- Währungsgebiets“ – eine Umschreibung für das sich immer weiter ausweitende Leistungsbilanzdefizit der USA. Verschiedene internationale Organisationen haben vor der Gefahr gewarnt, dass es wegen dieses Defizits zu einem Absturz des Dollarkurses kommen könnte, der die Absatzperspektiven der europäischen Anbieter drastisch verschlechtern würde.

Banken drehen Kredithahn langsamer zu

Verschärfung: 27 Prozent der Banken des Euro-Raums haben die Richtlinien für die Kreditvergabe an Unternehmen im zweiten Quartal verschärft. Im ersten Quartal waren es noch 46. Gelockert hat sie keine Bank.

Ausblick: Im laufenden Quartal rechnen immerhin vier Prozent der von der EZB befragten Kreditverantwortlichen damit, dass sie die Richtlinien lockern. Dem stehen 23 Prozent gegenüber, die sie nochmals verschärfen wollen.

Ursache: Die Banken fürchten Kreditausfälle auf Grund des zunehmenden Insolvenzrisikos. Ihnen geht es selbst schlecht, und sie haben schon zu viele Risiken in den Bilanzen.

Wirkung: Viele Unternehmen kommen schwer an Kredite.

Quelle: Handelsblatt

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