Lage der US-Wirtschaft
Bernanke zeichnet düsteres Bild

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Die ZEW-Erwartungen rutschen in den Keller, der Dax stürzt auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2006, der Euro steigt auf ein Rekordhoch. Und nun legt Fed-Chef Bernanke noch eins drauf.

HB WASHINGTON. Der Chef der US-Notenbank (Fed) Ben Bernanke hat ein ungewöhnlich pessimistisches Bild über den Zustand der US-Wirtschaft gezeichnet. „Die US-Wirtschaft sieht sich gegenwärtig mit zahlreichen Problemen konfrontiert“, sagte er vor den Mitgliedern des Bankenausschusses des US-Senats und verwies darauf, dass es „signifikante Abwärtsrisiken“ für das US-Wirtschaftswachstum gebe.

Weiter steigende Energiepreise, härtere Kreditkonditionen und ein sich immer weiter fortsetzender Abschwung am Immobilienmarkt für zusätzliche konjunkturelle Unsicherheit, sagte der Notenbanker. Gleichzeitig dürfte die Inflation seiner Einschätzung nach vor dem Hintergrund des weltweit kräftigen Rohstoffpreisanstiegs weiterhin hoch bleiben.

Die US-Notenbank werde alles dafür tun, um die Stabilität der Finanzmärkte wieder herzustellen, sagte Bernanke. Aktuell sei aber die Belastung für die Märkte durch die Finanzkrise immens.

Nach den aktuellen Projektionen der Fed, die Bernanke dem Ausschuss vorstellte, wird die US-Wirtschaft in diesem Jahr allerdings immerhin mit einer Rate zwischen 1,0 und 1,6 Prozent wachsen, womit die Notenbank ihre April-Projektion (0,3 bis 1,2 Prozent) nach oben revidierte. Für 2009 geht sie zudem unverändert von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 2,0 und 2,8 Prozent aus.

An den Märkten sorgten die Aussagen Bernankes für neue Sorgen. „Die Kombination der Worte war unglücklich und belastend“, sagt ein Händler. Bernanke habe bei der Inflation das „upside risk“ betont, andererseits beim Wachstum das „downside risk“. Zudem habe er nicht gesagt, was er dagegen zu tun gedenke. Dies finde erst in der Fragerunde statt. Nur die Anhebung der US-BIP-Prognose kommt im Handel gut an. „Die Fed ist damit wieder auf die Höhe ihrer alten Prognose zurückgegangen, nachdem sie diese im Frühjahr gesenkt hatte“, so der Händler. Grund sei der starke Außenbeitrag durch Exporte dank der Dollar-Schwäche.

Auch in Deutschland geht kaum ein Experte noch davon aus, dass die Aussichten für die Wirtschaft in den kommenden Monaten besser werden. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen fiel um 11,5 auf minus 63,9 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit - das ist der niedrigste Stand seit Einführung der ZEW-Umfrage im Dezember 1991.

Die Anleger gehen zurzeit offensichtlich eher vom schlechteren Fall aus. Zwar mochten Händler angesichts vergleichsweise geringer Umsätze noch nicht von einem Ausverkauf oder gar Panikverkäufen sprechen. Trotzdem fiel der Dax bis zum späten Vormittag in der Spitze um zwei Prozent auf 6070 Punkte und markierte damit einen so niedrigen Stand wie seit Oktober 2006 nicht mehr.

Der Kursverfall des Dollar habe ebenfalls zu der schlechten Stimmung beigetragen, sagten Händler. Der Euro in Dollar markierte mit 1,6038 Dollar am Vormittag ein neues Allzeithoch.

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