Lage der Wirtschaft
Konjunktur weltweit: Nicht ohne Risiko

Das Ende der weltweiten Rezession ist nah. Die Börsen feiern schon eine Sommerrally. Doch die Erholung der Realwirtschaft dürfte verhaltener ausfallen als erwartet. Ein Blick auf die europäische, amerikanische, japanische und chinesische Wirtschaft zeigt: Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung können nur langsam gebremst werden.
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FRANKFURT. Auch wenn die Börse noch so hohe Sprünge macht – die Unternehmen präsentieren allenfalls durchwachsene Zahlen und wagen bestenfalls einen vorsichtig optimistischen Ausblick. Aus gutem Grund: Ökonomen lesen aus den jüngst veröffentlichten Konjunkturindikatoren zwar deutliche Hinweise für eine Erholung der Euro-Wirtschaft ab, mahnen aber gleichzeitig zur Vorsicht. „Bei einer moderaten Erholung besteht immer ein erhebliches Rückschlagrisiko“, sagt Morgan-Stanley-Ökonomin Elga Bartsch und beziffert dessen Wahrscheinlichkeit auf mindestens 30 Prozent.

Immerhin: Viel deutet auf ein Ende der Rezession hin. Zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass der viel beachtete Einkaufsmanagerindex für die Industrie im Juli auf ein Elf-Monatshoch kletterte, heute wird das Barometer für den Servicesektor allen Vorhersagen nach folgen. Der Blick in die Details zeigt, wie mühsam dieser Aufholprozess ist: Die Industrie drosselte ihre Produktion so gering wie seit 13 Monaten nicht mehr – sie fuhr sie aber eben immer noch leicht zurück. Die Auftragsverluste waren so niedrig wie seit Beginn des Rückgangs im April 2008 nicht mehr – zu Buche stand allerdings immer noch kein Plus.

Diese Aufholjagd dürfte auch kurzfristig weitergehen, ernstzunehmende Indikatoren werden auch in den nächsten Monaten weiter nach oben klettern, erwarten viele Konjunkturbeobachter. Die Wirtschaftsleistung aber dürfte „bis ins nächste Jahr hinein nur allmählich Fahrt aufnehmen“, sagen beispielsweise die Volkswirte der Commerzbank für die Euro-Zone vorher.

Dass der monatelange Auftragseinbruch überhaupt gebremst werden konnte, verdankt auch das Währungsgebiet künstlichen Stimuli. Die haben allerdings ebenso wie für die Konjunktur auch für die europäischen Staatshaushalte weitreichende Folgen. So schätzte beispielsweise die EU-Kommission bereits in ihrer Frühjahrsprognose das Staatsdefizit der Euro-Zone in diesem Jahr auf 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 2010 auf 6,5 Prozent. 2010 dürfte kein Land unter der Drei-Prozent-Grenze liegen, erwartet Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Dass die öffentlichen Schulden rasant gestiegen sind, überschattet wiederum den fragilen Erholungsprozess. Dennoch rechtfertigt Ökonom Scheuerle die hohen Staatsausgaben: „In außergewöhnlichen Zeiten muss man pragmatisch reagieren“, sagt er.

Um die Schulden zurückzufahren, werden Jahre ins Land gehen – darin sind sich Volkswirte vor allem aufgrund der nur als moderat eingeschätzten Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren einig. Die Hoffnungen liegen daher darauf, dass sich weite Teile der Konjunkturpakete selbst finanzieren. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung ist für Deutschland zuversichtlich und hat eine Selbstfinanzierungsquote für das 50 Milliarden schwere Konjunkturpaket II der Bundesregierung berechnet, die bei 40 bis 50 Prozent liegt.

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