Lebenshaltung in Deutschland
Rückkehr der Inflation naht

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland steigen wieder, allerdings bleibt das Plus geringer als erwartet. Experten diskutieren nun die Frage, ob bei weiter steigenden Teuerungsraten Handlungsbedarf für die Europäische Zentralbank entsteht.
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HB BERLIN. Die Lebenshaltung in Deutschland wird erstmals seit Juni wieder teurer. Verglichen mit dem Vorjahr stiegen die Verbraucherpreise im November um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis der Daten aus Sachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen am Donnerstag mitteilte. Grund für den Preisanstieg ist der Ölpreis, der derzeit höher ist als vor Jahresfrist. Zugleich werden die Verbraucher aber immer noch bei Lebensmitteln entlastet. Der Preisanstieg ist damit geringer als von Experten mit 0,4 Prozent erwartet.

Fachleute erwarten für die kommenden Monate steigende Teuerungsraten, schon Anfang 2010 könnte die Inflation über ein Prozent steigen, sagte Arnd Schäfer von der WestLB. Handlungsbedarf entstehe damit noch nicht für die Europäische Zentralbank, sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel: „Die EZB kann sich bequem zurücklehnen und den Preisanstieg in aller Ruhe beobachten.“ Mindestens bis Mitte kommenden Jahres sei mit einer gedämpften Teuerung zu rechnen. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent gewährleistet. Für den privaten Konsum ist die Ruhe an der Preisfront eine Entlastung. Die niedrige Teuerung stützt die privaten Ausgaben.

Allerdings dürfte bei den Verbrauchern zunehmend die steigende Arbeitslosigkeit auf die Stimmung drücken. So sagte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung für Dezember jüngst eine leicht sinkende Kauflust voraus. Im kommenden Jahr halten Experten allenfalls stagnierende Ausgaben der Verbraucher für möglich. Um die Nachfrage anzukurbeln, senken daher viele Unternehmen die Preise. Auf mittlere Sicht bedeute dies, dass die Inflationsgefahren gering blieben, sagte WestLB-Volkswirt Arnd Schäfer. Das dämpft dann auch die Teuerung von Monat zu Monat: Verglichen mit Oktober sanken die Preise im November um 0,2 Prozent.

Hinter der Steigerung binnen Jahresfrist steht vor allem die Entwicklung des Ölpreises: Ein Barrel Rohöl hatte im Juli 2008 mit etwa 150 Dollar je Barrel so viel gekostet wie nie zuvor. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise löste jedoch bald danach einen drastischen Absturz aus, bis zum Winter fiel der Preis um mehr als 100 Dollar. Mittlerweile hat sich der Ölpreis aber wieder erholt, ein Fass kostet derzeit fast 77 Dollar. Das bekommen die Autofahrer an den Tankstellen zu spüren: Kraftstoffe waren 4,1 bis 6,3 Prozent teurer als vor Jahresfrist.

Entlastet werden die Verbraucher dagegen immer noch beim Heizöl, wenngleich hier das Minus zum Vorjahr nur noch zwischen 12,9 und 18,6 Prozent liegt. Noch im September war Heizöl aber um mehr als ein Drittel billiger als vor Jahresfrist. Weil der Gaspreis dem Ölpreis mit Verzögerung folgt, war auch Haushaltsenergie insgesamt günstiger als im Vorjahr. Die Lebensmittelpreise sanken ebenfalls, und zwar um 1,3 bis 3,0 Prozent. Teurer wurden Hotelübernachtungen oder Bücher und Zeitungen.

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