Lebenshaltung
Verbraucherpreise überraschend deutlich gesunken

Die Verbraucherpreise sind im September in vielen Bundesländern deutlich gesunken. Die Entwicklung löste eine neue Debatte über den weiteren Zinskurs der EZB aus.

HB FRANKFURT. Die Entspannung an den internationalen Ölmärkten hat die Teuerung in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren gedrückt. Das geht aus ersten Preisstatistiken für September hervor, die am Montag in fünf Bundesländern vorgelegt wurden.

Danach sanken die Verbraucherpreise in allen diesen Ländern allein von August auf September im Schnitt um 0,4 Prozent. Damit könnte die jährliche Teuerungsrate bundesweit auf rund 1 Prozent fallen, nach 1,7 Prozent im August. Einen solch niedrigen Wert gab es zuletzt im März 2004 mit 1,1 Prozent.

In Hessen fiel die jährliche Teuerungsrate im September auf 0,8 (August: 1,5), in Nordrhein-Westfalen sogar auf 0,7 (1,5) Prozent. Im bevölkerungsreichsten Bundesland erreichte sie damit den niedrigsten Wert seit Mai 2003. In Bayern gab der Preisauftrieb auf 1,5 (2,2) Prozent nach, in Sachsen auf 1,4 (2,3) und in Brandenburg auf 1,3 (2,1) Prozent. Für die Europäische Zentralbank (EZB) gilt Preisstabilität bei Teuerungsraten knapp unter der 2-Prozent-Marke.

Stabilisiert wurde das Preisniveau nach Einschätzung der Statistiker vor allem von den sinkenden Preisen für Öl, Benzin und Diesel. Benzin und Diesel waren im September bis zu neun Prozent billiger als im August. Entlastend wirkte auch der saisonübliche Rückgang bei den Preisen für Pauschalreisen und den Mieten für Ferienwohnungen.

Damit konnten auch ungewöhnlich hohe Preise für saisonabhängige Lebensmittel kompensiert werden: Kartoffeln waren im Vergleich zum Vorjahr beispielsweise wegen der langen Trockenheit im Juli rund 40 Prozent teurer als im Vorjahr. Insgesamt kostete Gemüse im September etwa 16 Prozent mehr.

Analyst Ralf Umlauf von Helaba Trust bezeichnete den Rückgang der Inflation als überraschend. „Der französische Geschäftsklimaindex war ja auch rückläufig, und insofern schwebt jetzt der Ifo-Index so ein bisschen als Damoklesschwert über dem Markt.“

Der französische Geschäftsklimaindex gab im September auf 107 von revidiert 108 Zählern nach. Für den am Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Ifo-Geschäftsklimaindex sagen von Volkswirte im Schnitt einen Rückgang auf 104,4 von 105,0 Punkten voraus.

Die Fantasien hinsichtlich der möglichen EZB-Zinserhöhungen sind Umlauf zufolge zuletzt „ziemlich ins Kraut geschossen“ und würden wohl allmählich korrigiert. Die EZB hat seit Dezember den Leitzins auf 3,00 Prozent angehoben. Volkswirte erwarten aktuell mehrheitlich weitere Zinserhöhungen bis auf 3,5 Prozent zum Jahresende.

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