Lebenssituation der Senioren
Ökonomen sehen keine gravierende Altersarmut

Deutschland streitet über niedrige Renten – und über den Vorschlag von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Rüttgers zur Erhöhung der Bezüge langjähriger Beitragszahler. Doch Ökonomen sagen: Das Phänomen der Altersarmut wird völlig überschätzt. Das wirkliche Problem in Deutschland sei ein ganz anderes.
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HB FRANKFURT. „Die materielle Lebenssituation der Älteren ist besser als die des Durchschnitts der Gesamtbevölkerung“, sagte der Verteilungsexperte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Durchschnittlich haben die Senioren mehr verfügbares Einkommen als die Jüngeren, die heute ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen und später deutlich weniger Rente rausbekommen werden“, wird Grabka zitiert.

Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen nannte Altersarmut „eines der meistüberschätzten Phänomene der Gegenwart“. Statistisch gesehen sei die Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu stoßen, etwa fünfmal größer als die, auf einen armen Rentner zu stoßen. Die heutigen Rentner seien im Durchschnitt die reichsten Rentner, die dieses Land jemals gesehen hat.

Die Zeitung berichtet über ein Sozioökonomisches Panel des DIW, das ein verlässliches Bild der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland ergebe und auf einer Stichprobe von etwa 12 000 Haushalten beruhe. Demnach hatten Seniorenpaare im Jahr 2003 durchschnittlich ein verfügbares Einkommen von mehr als 20 000 Euro je Person. Damit hätten sie 104,5 Prozent über dem durchschnittlichen bedarfsgewichteten verfügbaren Einkommens der Gesamtbevölkerung gelegen.

Junge Elternpaare mit einem Kind von unter drei Jahren seien nur auf 83,6 Prozent dieses Wertes gekommen. Am geringsten war dem Bericht zufolge die Einkommensposition der Alleinerziehenden, vor allem Frauen, die meist nur zwei Drittel des Durchschnitts erreicht hätten.

„Wir haben kein Altersarmutsproblem in Deutschland, sondern ein Problem mit Kindern, die arm aufwachsen“, wird der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium, der Mannheimer Ökonom Axel Börsch-Supan, zitiert.

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