Leitzins bleibt konstant
EZB lässt sich nicht beeindrucken

Finanzkrise, Konjunktursorgen, neuer Euro-Rekord – davon lässt sich die EZB noch immer nicht beeindrucken. Die Zentralbank behält ihren geldpolitischen Kurs konsequent bei und rührt den Leizins nicht an. Er steht damit auch nach der April-Sitzung des EZB-Rates konstant bei 4,0 Prozent. Nun warten die Märkte auf Trichet.

HB FRANKFURT. Trotz des Euro-Rekords bleibt der Leitzins im Euro-Raum vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ am Donnerstag ungeachtet der Sorge um die Wirtschaft den wichtigsten Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft konstant bei 4,0 Prozent. Der Euro stieg unmittelbar vor der Zinsentscheidung auf einen neuen Höchststand von 1,5912 Dollar.

Der starke Euro bremst die Exportchancen der europäischen Wirtschaft. Deshalb werden Forderungen nach Zinssenkungen lauter, weil niedrige Zinsen Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligen und die Wirtschaft anschieben. Seit Juni 2007 ist der Leitzins konstant.

Gegen eine baldige Zinssenkung spricht die hohe Inflation, die in den 15 Euro-Ländern im März mit 3,5 Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euro erreichte. Das ist weit über dem Zielniveau von knapp 2,0 Prozent, bei dem die EZB Preisstabilität als gewahrt ansieht. Die meisten Volkswirte rechnen inzwischen erst gegen Jahresende mit einer Zinssenkung, wenn die Finanzmarktkrise erste konjunkturelle Bremsspuren in Europa hinterlassen und die Inflation zurückgehen dürften.

Die Finanzmärkte zeigten zunächst keine Reaktion auf die Leitzinsentscheidung. Mit Spannung erwarten die Märkte nun Hinweise von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf den weiteren Kurs der Notenbank auf einer Pressekonferenz am Nachmittag. Vermutlich wird sich der EZB-Präsident auch zum neuen Rekordhoch des Euro und den Auswirkungen der Finanzkrise äußern.

Beobachter gehen davon aus, dass der EZB-Präsident an seiner Linie festhalten wird, die feste Verankerung der mittel- und langfristigen Inflationserwartungen in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dabei die Tür zu möglichen Zinssenkungen ganz zuzuschlagen. Eine Schlüsselrolle spielt für die EZB dabei die Verhinderung von Zweitrundeneffekten bei der Preisentwicklung über überhöhte Lohnabschlüsse.

Hohe Tarifabschlüsse in Deutschland könnten eine negative Signalwirkung für andere Länder des Euroraums zur Folge haben. Trichet und andere EZB-Ratsmitglieder hatten zuletzt zwar Verständnis für die Abschlüsse in Deutschland geäußert, da dort in den vergangenen Jahren Lohnzurückhaltung geübt worden sei; zugleich hatten sie aber vor einer Nachahmung in anderen Ländern des Euroraums gewarnt.

Die britische Notenbank senkte indes zum dritten Mal seit Dezember 2007 ihren Leitzins um 0,25 Punkte auf nun 5,0 Prozent. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins wegen der Konjunkturabkühlung bereits kräftig auf 2,25 Prozent gesenkt.

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