Leitzins-Erhöhung
Die EZB muss glaubwürdig bleiben

Eigentlich will die Europäische Zentralbank in zwei Wochen den Leitzins anheben. Doch das Beben in Japan lässt daran zweifeln. Die EZB sollte hart bleiben und ihren Kurs durchziehen. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.
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Sie haben heute viel zu besprechen – die Mitglieder des EZB-Rates auf ihrer „kleinen“ Sitzung. Also dem Treffen, an dessen Ende keine Leitzins-Entscheidung ansteht.

Es ist sozusagen Halbzeit: Vor zwei Wochen hat EZB-Präsident Trichet die Märkte mit der Ankündigung verblüfft, dass die Währungshüter auf ihrer nächsten „großen“ Sitzung am 7. April den Leitzins anheben werden. Doch die Rahmenbedingungen haben sich durch das folgenreiche Erdbeben in Japan dramatisch geändert. Dennoch darf die EZB zur Halbzeit die Strategie nicht grundlegend ändern.

Zugegeben: Die Finanzmärkte sind stark verunsichert, eine Erhöhung wäre eine zusätzliche Belastung. Die Furcht vor einem Knick in der konjunkturellen Entwicklung sitzt nach dem Drama in Japan allzu tief, um sie zu ignorieren. Und zweifellos erwartet nun ein höherer Prozentsatz der Marktteilnehmer, dass die Zinsen konstant bleiben, als es noch vor dem Beben am Freitag der Fall war.

Und dann gibt es noch das historische Argument: Einige Marktteilnehmer ziehen Vergleiche zum Juli 2008. Damals erhöhte die EZB den Leitzins zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Finanzkrise war gerade erst dabei, so richtig nach Europa überzuschwappen. Die Lehman-Pleite folgte im September. Der Beschluss war im Nachhinein ein großer Fehler.

Doch die Situation damals hat nach bisherigem Stand nichts mit der heutigen zu tun. Die EZB sollte bei ihrem angekündigten Kurs bleiben und den Leitzins wie geplant halten. Zumindest solange sich die Situation an den Finanzmärkten durch die Japan-Krise in den kommenden zwei Wochen nicht dramatisch verschlimmert.

Denn zu gewichtig sind auf der anderen Seite die grundsätzlichen Argumente für die Erhöhung der Zinsen: Die Inflationsgefahr steht über allem. Für die Menschen auf der Straße wird alles teurer – daran ändert auch das Beben in Japan nichts. Und nichts ist wichtiger, als die Teuerung im Griff zu behalten.

Und zweitens muss sich die EZB wieder Spielraum verschaffen, um später noch auf die unterschiedlichen Konjunktur-Entwicklungen in Europa reagieren zu können: In Deutschland boomt die Wirtschaft, in anderen EU-Ländern liegt sie danieder. Das wird den Währungshütern auf mittlere Sicht ein Maß an Flexibilität abverlangen, das sie nur mit einem etwas höheren Zinssatz hätte.

Schließlich geht es für die EZB auch um ihre Glaubwürdigkeit. Allzu gern würden es die Politiker sehen, wenn die Zinsen so lange wie möglich niedrig blieben. Die ausufernde Staatsverschuldung mag nun mal keinen Anstieg. Die Öffentlichkeit vertraut Trichet und Co. nur, wenn die EZB jetzt Härte zeigt.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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