Leitzins
EZB reagiert mit historischer Zinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich angesichts der immer tieferen Wirtschaftskrise dafür entschieden, den Leitzins für den Euroraum so stark wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte zu senken. Zugleich verkündete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Senkung der Wachstumsprognose für das laufende und das kommende Jahr.

HB BRÜSSEL/FRANKFURT. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld werde um 0,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent reduziert, teilte die EZB am Donnerstag in Brüssel mit.

So niedrig lag der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Banken bei der EZB zuletzt im Frühsommer 2006. Die EZB hat in ihrer knapp zehnjährigen Geschichte den Leitzins noch nie so stark bewegt. Üblich waren bislang Schritte von 25 oder maximal 50 Basispunkten. Wegen der Finanzkrise und der schwächeren Konjunktur hatte die EZB bereits im Oktober und November den Leitzins um jeweils 0,50 Punkte gesenkt.

Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld liegt aber auch mit der jüngsten Senkung noch immer deutlich höher als in den USA mit einem Prozent. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft anschieben. Sparguthaben werden allerdings ebenfalls niedriger verzinst.

Die Europäische Zentralbank senkte zudem ihre Wachstums- und Inflationsprognosen für das laufende und das kommende Jahr. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung im Euroraum um 0,5 Prozent schrumpfen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Leitzinsentscheidung. Bislang war die EZB von einem Wachstum von im Mittel 1,2 Prozent ausgegangen. Auch für das laufende Jahr kappte die EZB ihre Projektion. Statt eines Wachstums von 1,4 Prozent wird nun nur noch eine Rate von 1,0 Prozent erwartet. 2010 dürfte die Wirtschaft ebenfalls um 1,0 Prozent wachsen. Die EZB erwartet außerdem einen weiteren Rückgang der Inflationsrate: „Vor allem der Rückgang der Rohstoff- und Rohölpreise dürften die Inflation weiter nach unten bringen“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Weitgehend bedeckt hielt sich Trichet mit Blick auf die künftige Zinspolitik. „Zu Januar sage ich nichts“, betonte der EZB-Präsident. Er wich damit Fragen aus, ob die Erwartungen der Finanzmärkte nach weiteren Zinssenkungen im nächsten Jahr gerechtfertigt seien. Auf die Frage, ob die EZB-Spitze auch Schritte um einen halben oder ganzen Prozentpunkt diskutiert habe, sagte Trichet nur, dass die Entscheidung für 75 Basispunkte einstimmig gefallen sei. Er bekräftigte, dass die EZB alles Notwendige tun werde, um Preisstabilität zu gewährleisten.

Die Finanzmärkte hatten angesichts der jüngsten Zuspitzung der Krise auf eine kräftige Lockerung der Geldpolitik gehofft. Bereits am Mittag hatte die britische Notenbank ihren Leitzins auf zwei Prozent gesenkt. Die Bank of England kappte den Schlüsselzins um einen vollen Prozentpunkt auf zwei Prozent. Damit ist der dortige Zinssatz so tief wie seit 1951 nicht mehr. Bereits im November hatten die Währungshüter in London mit einer Zinssenkung um anderthalb Prozentpunkte auf den Absturz der britischen Konjunktur reagiert. Noch kräftiger drehte die schwedische Notenbank an der Zinsschraube und landete mit einer Senkung um 1,75 Prozentpunkte einen Überraschungscoup.

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