Leitzins-Senkung
Leitzins sinkt bald auf Rekordtief

Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins nach einhelliger Erwartung der Experten auf ein historisches Tief senken. Bisher hat die EZB keine Notfallpläne beschlossen, falls der Leitzins die Untergrenze von Null erreichen sollte. Die Kritik an der abwartenden Haltung der Zentralbank wird immer lauter.

FRANKFURT. Der Zinssatz, zu dem Banken sich bei ihr refinanzieren können, dürfte von derzeit zwei Prozent um mindestens einen halben Prozentpunkt sinken. Wegen der dramatischen Verschlechterung der Konjunkturperspektiven und des starken Rückgangs der Inflationserwartungen rechnen die meisten Ökonomen danach mit weiteren Zinssenkungen.

Die EZB stellt am Donnerstag ihre neuen Prognosen vor. Sie wird diese voraussichtlich zum zweiten Mal in Folge in zuvor nicht da gewesenem Ausmaß nach unten revidieren müssen. Im Dezember hatte sie noch eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung 2009 von einem halben Prozent und eine Inflationsrate von 1,4 Prozent vorausgesagt. Nach den neuesten Prognosen des EZB-Schattenrats, eines vom Handelsblatt 2002 ins Leben gerufenen europäischen Expertengremiums, wird die Wirtschaft des Euroraums stattdessen in diesem Jahr um 2,2 Prozent schrumpfen und die Inflation im Jahresdurchschnitt nur noch 0,5 Prozent betragen.

Im nächsten Jahr erwarten die Experten nur ein schwaches Wachstum von 0,9 Prozent und eine Inflationsrate, die mit 1,4 Prozent deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von „unter aber nahe bei zwei Prozent" liegt. Dabei haben die Experten schon unterstellt, dass die EZB ihren Leitzins in Kürze bis auf höchstens noch ein Prozent gesenkt haben wird.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat bereits durchblicken lassen, dass der EZB-Rat daran denkt, am 5. März den Leitzins zu senken. Zum Ausmaß einer möglichen Senkung äußerste er sich nicht, aber die Finanzmärkte erwarten wegen der sehr starken Eintrübung der Perspektiven mindestens einen halben Prozentpunkt. Andererseits erwarten nur wenige eine stärkere Senkung, weil EZB-Vertreter immer wieder ihren Widerwillen gegen sehr niedrige Zinsen kund getan haben.

„Es gibt praktisch keinen Zweifel, dass die Konjunktur bis 2010 sehr schwach sein wird und die Inflation niedrig bleiben wird. Ich sehe daher keinen Grund den Leitzins nicht schnell Richtung 0,5 Prozent zu senken“, warb Erik Nielsen, Europa Chefvolkswirt von Goldman Sachs, für eine Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt. Zwar fand er dafür im EZB-Schattenrat keine Mehrheit, das 15-köpfige Gremium war sich jedoch einig, dass eine Zinssenkung um mindestens einen halben Punkt nötig ist, und voraussichtlich weitere Zinssenkungen folgen sollten.

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