Leitzinsen
Trichet signalisiert weitere Erhöhungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erneut vor Risiken für die Preisstabilität gewarnt und damit eine weitere Zinserhöhung angedeutet. Experten meinen: "Auch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange."

HB FRANKFURT. „Der mittelfristige Ausblick für die Preisstabilität bleibt Aufwärtsrisiken ausgesetzt“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, nachdem der EZB-Rat den Leitzins zunächst bei 3,75 Prozent belassen hatte. Die Zinsen seien noch niedrig und unterstützten die Konjunktur. Der EZB-Rat werde deshalb weiterhin die Lage sehr genau beobachten, damit die Inflationsrisiken nicht einträten.

Trichet bekräftigte damit die Einschätzung des EZB-Rates von der vorangegangenen Zinssitzung, nach der Analysten auf eine weitere Zinserhöhung im Juni geschlossen hatte. „Ich würde heute nichts sagen, das darauf abzielt, die Erwartungen für den Monat Juni zu ändern“, stellte der EZB-Chef klar.

Die EZB ließ den Leitzins in der Euro-Zone wie erwartet unverändert bei 3,75 Prozent. Analysten hatten mit diesem Beschluss gerechnet, nachdem die EZB erst im März den Leitzins zum siebten Mal seit Ende 2005 angehoben hatte, um den Preisanstieg während des Aufschwungs im Euro-Raum zu dämpfen.

Robustes Wachstum, der erneute Ölpreisanstieg und höhere Lohnforderungen als in den vergangenen Jahren halten die Währungshüter jedoch in Alarmstimmung über Inflationsgefahr. Auch wuchs die Geldversorgung der Wirtschaft trotz Zinserhöhungen zuletzt mit zehn Prozent so stark wie nie seit Beginn der Währungsunion 1999.

Die meisten Bankenvolkswirte gehen deshalb fest von einer weiteren Zinsanhebung im Juni aus. Ob die EZB ihre Erhöhungsrunde dann bei vier Prozent beendet oder noch einen Schritt weiter geht, ist ungewiss.

„Es scheint die Absicht des EZB-Rates zu sein, im Juni die Zinsen zu erhöhen, nicht davor", sagte Sandra Petcov von Lehman Brothers. "Im Vergleich zur letzten Pressekonferenz gibt es wenig Neues im Statement: Die Inflationstendenz bleibt bestehen, und es gibt etwas mehr Analyse zu den divergierenden Entwicklungen zwischen M3 und dem Kreditwachstum, ohne den Grundtenor aufwärtsgerichteter Inflationsrisiken zu verlassen."

Dirk Schumacher von Goldman Sachs meinte: "Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischen kommt, geht es auf vier Prozent. Das ist auch noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wie stark und wie schnell es dann weitergehen wird, hängt von der Datenlage ab."

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