Liquiditätsflut
„Eine extrem lockere Geldpolitik kann Chaos anrichten“

Die „Liquiditätsflut“ der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank alarmiert führende Ökonomen. Das Thema dürfte auch auf der IWF-Tagung heute in Washington eine Rolle spielen. Der Wirtschaft-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz befüchtet durch die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken gravierende Folgen für die Weltwirtschaft. Deutsche Volkswirte geben ihm größtenteils Recht.
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DÜSSELDORF. „Der Schaden, den die Geldpolitiken angerichtet haben, ist immens, und es gibt nun keinen Ausweg mehr, der nicht mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden wäre“, sagte der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, Thorsten Polleit, Handelsblatt Online. „Die Alternativen sind entweder Pleiten von Schuldnern hinzunehmen oder aber immer mehr Geld in Umlauf zu bringen, um die offenen Rechnungen zu bezahlen.“ Letzteres führe allerdings zu hoher Inflation oder gar zu Hyperinflation.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, zeigte sich ebenfalls besorgt über die dauerhaft niedrigen Leitzinsen. Die Zentralbanken gingen damit das Risiko ein, neue spekulative Übertreibungen in der Zukunft zu befördern, sagte Krämer Handelsblatt Online „Wenn es die wirtschaftliche Lage erlaubt, sollten die Zentralbanken also Abschied nehmen von der gegenwärtig ultra-expansiven Geldpolitik“, riet der Ökonom und fügte hinzu: „Die EZB sollte nicht dem Beispiel der US-Notenbank folgen, die wohl bald erneut Staatsanleihen im großen Stil aufkaufen wird.“

Der renommierte Krisenökonom Max Otte sieht angesichts der durch die Fed verursachten Liquiditätsschwemme den Punkt erreicht, an welchem „mehr Schaden als Nutzen“ erreicht werde. Das liege vor allem auch daran, dass die Geldpolitik ein schwaches und wenig zielgenaues Instrument sei, sagte Otte Handelsblatt Online. „Banken werden durch niedrige Refinanzierungssätze belohnt, aber ob diese an die Wirtschaft weitergegeben werden, ist nicht garantiert.“ Außerdem werde die „Ersparnisbildung“ bestraft. „So kann eine extrem lockere Geldpolitik in der Tat die Wirtschaftsstrukturen durcheinanderbringen und Chaos anrichten“, warnte der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms.

Eine „Liquiditätsflut“ von EZB und Fed destabilisiere die globalen Devisenmärkte, sagte Stiglitz. „Die Ironie ist, dass die Fed für all diese Liquidität in der Hoffnung sorgt, dass sie die US-Wirtschaft beleben wird.“ Doch sie tue nichts dergleichen, sondern sorge für Chaos im Rest der Welt. „Es ist eine sehr seltsame Politik, die sie verfolgen“, fügte Stiglitz hinzu.

Die Leitzinsen für die Euro-Zone hatte die EZB am Donnerstag wie von Volkswirten erwartet auf ihrem historischen Tiefstand gelassen. Der Hauptrefinanzierungssatz für die Eurozone, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen, bleibt bei 1,00 Prozent, wie die Zentralbank nach einer Ratssitzung in Frankfurt am Main mitteilte. Die EZB-Leitzinsen bleiben damit zum 17. Mal in Folge auf ihrem Rekordtief. Zuletzt hatte die Notenbank ihren Leitzins im Mai 2009 um 25 Basispunkte auf den historischen Tiefstand von 1,00 Prozent gesenkt.

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  • @End Game welche demokratie meinten sie ? Seit den anschluss der Ostgebiete spielt selbst scheindemokratie keine rolle mehr es ging einzig allein darum maximalprofit zu erziehlen,ob banker,Politiker wirtschaft,es wurde gelogen das es schon ersichtlich war das kann nicht klappen,haben alle feststellen können.gründen von zeitarbeitsfirmen die renten sind sicher kopfpauschale,harz 4 bezieher mit sozialterrorismus belegen,selber ohne einzahlen aber geld herrausnehmen,lumpeneliten wo man hinschaut,der oberbörner ist aber das die ,die das angerichtet haben sich als die Lösung präsentieren,die kleinen leute sollen zahlen frage mich wovon?egal wie mans sieht Zitarbeitsfirmen können ihre sklaven nicht entlassen nur weiterverkaufen an den Steuerzahler,natürlich nach den auspressvorgang,also nackte gier,egal wohin man schaut.am geld hats nicht gelegen es ist soviel vorhanden,denke Hyperinflation ist der nächste schritt.

  • Die Kritiker der Notenbanken übersehen, dass das Geld seit der Aufhebung des Goldstandards (1971) nicht mehr private Sache (Edelmetall) ist bzw. diese vertritt, sondern eine öffentliche, also politische Angelegenheit. Allerdings darf sich Geldpolitik auch nicht darin erschöpfen, Geld in Umlauf zu bringen. Sie muss auch seinen Kreislauf dirigieren, indem sie das Geld dort, wo es sich staut, abzieht; beispielsweise durch Wegsteuerung. Denn Geld ist nicht mehr sachlicher Reichtum, sondern drückt seinem Wesen nach nur einen ganz allgemeinen, nicht nur auf das Gold bezogenen Anspruch auf Reichtum infolge einer gegebenen Leistung aus. Und seine Funktion ist es, den Fluss der Güter und Leistungen vom Erzeuger zum Verbraucher zu vermitteln. Seine Aufgabe ist es nicht, sich aus sich selbst heraus durch Zins zu vermehren. Kreditvergabe ist keine „produktive“ Leistung, die es zu honorieren gilt, sondern ein finanzpolitisches instrument zum Ausgleich vorübergehender Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot auf dem Markt der Güter und Leistungen. Niedrigzinsen sind daher nicht der Weg ins Wirtschaftschaos, sondern ein Schritt hin zu einer Geld- und Finanzpolitik, die überhaupt auf Zinsnahme verzichtet und so den chronischen Widerspruch zwischen Produktion und Verbrauch als Folge von Ausbeutung auf der Grundlage von Kapitaleigentum beseitigt. Seit 1971 ist eine solche Konsequenz auch aus ganz praktischer geldpolitischer Sicht überfällig. Das „Krisenmanagement“ der Notenbanken, obwohl nach der Methode „Versuch und irrtum“ kreiert, mag das belegen.

  • Null-Zins ist sinnvoll

    Die Kritiker der Notenbanken übersehen, dass das Geld seit der Aufhebung des Goldstandards (1971) nicht mehr private Sache (Edelmetall) ist bzw. diese vertritt, sondern eine öffentliche, also politische Angelegenheit. Allerdings darf sich Geldpolitik auch nicht darin erschöpfen, Geld in Umlauf zu bringen. Sie muss auch seinen Kreislauf dirigieren, indem sie das Geld dort, wo es sich staut, abzieht; beispielsweise durch Wegsteuerung. Denn Geld ist nicht mehr sachlicher Reichtum, sondern drückt seinem Wesen nach nur einen ganz allgemeinen, nicht nur auf das Gold bezogenen Anspruch auf Reichtum infolge einer gegebenen Leistung aus. Und seine Funktion ist es, den Fluss der Güter und Leistungen vom Erzeuger zum Verbraucher zu vermitteln. Seine Aufgabe ist es nicht, sich aus sich selbst heraus durch Zins zu vermehren. Kreditvergabe ist keine „produktive“ Leistung, die es zu honorieren gilt, sondern ein finanzpolitisches instrument zum Ausgleich vorübergehender Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot auf dem Markt der Güter und Leistungen. Niedrigzinsen sind daher nicht der Weg ins Wirtschaftschaos, sondern ein Schritt hin zu einer Geld- und Finanzpolitik, die überhaupt auf Zinsnahme verzichtet und so den chronischen Widerspruch zwischen Produktion und Verbrauch als Folge von Ausbeutung auf der Grundlage von Kapitaleigentum beseitigt. Seit 1971 ist eine solche Konsequenz auch aus ganz praktischer geldpolitischer Sicht überfällig. Das „Krisenmanagement“ der Notenbanken, obwohl nach der Methode „Versuch und irrtum“ kreiert, mag das belegen.

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