Literatur
Dollar zwischen Dominanz und Dämmerung

Die Wirtschaftsliteratur probt den Abgesang auf die US-Währung. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass das Weltgeld bald versinken könnte. Und doch sind die Warnungen wohl verfrüht.
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FrankfurtDen Wert von Zhou Xiaochuans Worten werden irgendwann die Geschichtsschreiber zu beurteilen haben. Im Januar 2009, nur wenige Monate nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, hatte der Chef der chinesischen Notenbank das Ende des amerikanischen Dollars als Leitwährung vorausgesagt. Der Renminbi, die „Volkswährung“, werde stattdessen immer weiter an Bedeutung gewinnen in der Finanzwelt, sagte Chinas oberster Devisenhüter.

Drei Jahre, wenige Monate und eine Euro-Krise später entdecken auch die Verlage den Dollar-Untergang als Thema. Bei Orell Füssli ist gerade „Dollar-Dämmerung – von der Leitwährung zur größten Spekulationsblase der Geschichte“ von Myret Zaki erschienen. Der Börsenbuchverlag bringt Barry Eichengreens „Das Ende des Dollar-Privilegs – Aufstieg und Fall des Dollars und die Zukunft der Weltwirtschaft“ auf den Markt. Beides kurzweilige und lesenswerte Werke. Nicht zuletzt, weil der Dollar und die Probleme der USA in den vergangenen Monaten aus dem Fokus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden schienen. Die Bühne gehörte stattdessen der griechischen Tragödie, dem Euro – und seinem drohenden Untergang.

Dabei ist der Dollar das eigentliche Phänomen – und langfristig womöglich das noch größere Problem. Eichengreen bemüht eingangs das Kino, um die Faszination der US-Währung zu beschreiben. Karl Markovics etwa, der Hauptdarsteller aus „Die Fälscher“, macht kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Vermögen in einem Casino in Monte Carlo. Das Geld in dem Koffer, den er am Ende des Films bei sich trägt, sind Dollar – und keine Franc. In „City of Ghosts“, 50 Jahre Kinogeschichte später, muss Matt Dillon in Kambodscha einen Koffer voller Lösegeld auftreiben. Die Kidnapper seines Chefs, wie sollte es anders sein, verlangen Dollar. Und keine Euro, Yen, Franken – auch keine Renminbi.

Der Dollar-Koffer sei inzwischen ein gängiges Klischee in Hollywood-Drehbüchern, schreibt Eichengreen. Aber diese künstlerische Konvention spiegele eine allgemeine Wahrheit wider: „Der Dollar ist seit mehr als einem halben Jahrhundert die währungstechnische Lingua Franca der Welt.“

Kommentare zu " Literatur: Dollar zwischen Dominanz und Dämmerung"

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  • Aber natürlich sind die Alternativen im Entstehen! Nicht eine einzelne Währung, sondern ein Basket von Brics-Währungen, mit Dollar und Euro. Es ist ein Trauerspiel, dass die Kombi Volkswirtschaft/Politologie offenbar nicht oft genug studiert wird. Denn die meisten Politologen verstehen wenig von Wirtschaft, die meisten Ökonomen wiederum legen eine unfassbare Naivität in strategisch-politischen Fragen an den Tag. Es liegt auf der Hand, dass es im Überlebensinteresse der USA sein MUSS, Alternativen zum Dollar, wie z.B. den Euro, unter Kontrolle zu halten. Das liegt einfach in der Natur der Sache, und die Beleglage für entsprechende Versuche ist inzwischen auch reichhaltig. Aber die meisten Ökonomen fangen dann an, von "Verschwörungstheorie" zu faseln...

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