Lohn-Preis-Spirale
EZB mäkelt an deutschen Lohnabschlüssen

Die deutlichen Lohnerhöhungen in Deutschland stoßen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) auf scharfe Kritik. Von „unerfreulichen Entwicklungen“ ist die Rede.

HB AMSTERDAM. „Die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte, also der mögliche Beginn einer Lohn-Preis-Spirale, scheint nun real zu werden“, hieß es in einem Bericht der niederländischen Notenbank. Deren Präsident, das EZB-Ratsmitglied Nout Wellink, kritisierte den Abschluss in der Stahlindustrie von mehr als fünf Prozent: „Das wird hoffentlich ein Einzelfall bleiben“. Die 1,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen erhalten in diesem Jahr ebenfalls gut fünf Prozent mehr.

Indirekt kritisierte auch das österreichische EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher in Vorarlberg die jüngsten Lohnabschlüsse in Deutschland. Er wolle die Entwicklung in anderen Länder zwar nicht bewerten. Es gebe jedoch einige unerfreuliche Entwicklungen, sagte Liebscher. Die EZB warnt seit Monaten vor überzogenen Tarifabschlüssen. Sie fürchtet, dass die Unternehmen die höheren Lohnkosten an die Verbraucher weitergeben und sich der Preisauftrieb dann verfestigt.

Im Euro-Raum hatte die Teuerungsrate im März mit 3,5 Prozent einen Rekordwert erreicht. Liebscher bezeichnete dies als besorgniserregend und unbefriedigend. Die EZB hält mittelfristig nur Raten von knapp unter zwei Prozent für akzeptabel. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte in Berlin, dass stabile Preise die Basis für ein solides Wirtschaftswachstum seien. „Alle Bürger wollen Preisstabilität“, sagte Trichet.

Wegen der stark steigenden Lebenshaltungskosten wird die EZB nach einhelliger Auffassung von Analysten den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag bei vier Prozent belassen. Sie fürchtet, mit billigerem Geld die Nachfrage anzukurbeln und damit den Preisauftrieb noch zu verstärken.

Trotz deutlicher Zeichen einer Konjunkturabkühlung hat sie den Zins deshalb seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 nicht gesenkt. Gewerkschaften kritisieren dies. Sie fordern die Währungshüter auf, dem Beispiel ihrer amerikanischen und britischen Kollegen zu folgen und mit Zinssenkungen die Konjunktur anzukurbeln. Zinssenkungen machen Kredite für Unternehmen und Verbraucher günstiger, was Investitionen und den Konsum beleben kann.

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