Märkte kommen zurück
Konzertierte Aktion verpufft

Die konzertierte Aktion der Notenbanken vom Mittwoch hat an den Finanzmärkten nur ein kurzes Strohfeuer ausgelöst. Am Donnerstag überwog dann wieder die Unsicherheit wegen der Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die Realwirtschaft und den Kreditmarkt.

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Notenbanken der USA, Schweiz, Großbritanniens und Kanadas hatten am Mittwochabend Maßnahmen bekanntgegeben, um die Banken mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Die amerikanischen Aktienmärkte hatten daraufhin mit Kursgewinnen von teilweise mehr als zwei Prozent eröffnet; die Renditen von Staatsanleihen kletterten kräftig, weil die Marktteilnehmer vorübergehend Vertrauen gewannen, dass es nicht zu einer krisenhaften Zuspitzung der Situation kommen wird.

Am Donnerstagvormittag war die anfänglich kräftige Reaktion der Finanzmärkte bereits weitgehend verpufft. Die asiatischen Aktienmärkte, die erst öffneten, als in den USA und Europa die erste Euphorie vorbei war, verzeichneten Kursverluste. Der japanische Nikkei-Index gab über zwei Prozent nach. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, die am Mittwoch zeitweise um 29 Hundertstel gestiegen war, lag nur noch wenig höher als vor Verkündung der konzertierten Aktion.

Am Geldmarkt, dem Zentrum der Verspannungen, stiegen die Sätze wieder in etwa auf das vorherige Niveau. Mit 4,95 Prozent lag der Dreimonats-Eurolibor, zu dem Banken bereit waren, einer anderen Bank für eine entsprechende Frist Euro zu leihen, fast einen ganzen Prozentpunkt über dem Leitzins der EZB. Für fünf Prozent können sich die Banken jederzeit von der EZB kurzfristigen Kredit besorgen.

„Die zugrunde liegenden Probleme auf dem Kreditmarkt und in der Realwirtschaft können mit diesen Maßnahmen nicht gelöst werden“, kommentierte Christoph Rieger von der Investmentbank Dresdner Kleinwort die konzertierte Aktion der Notenbanken. Er rechnet deshalb im neuen Jahr mit weiter nachgebenen Renditen am Kapitalmarkt.

Ein gutes Maß für die Risikoprämie, die Banken verlangen, wenn sie anderen Banken Kredit geben, ist die Differenz zwischen dem Dreimonats-Dollarlibor und der Rendite von dreimonatigen US-Schatzwechseln. Letztere gelten als sicherer Hafen, in den sich Anleger in Krisenzeiten gerne flüchten.

Diese TED-Spread genannte Differenz war von einem halben Prozentpunkt vor Ausbruch der Krise bis Mittwoch auf 2,21 Prozentpunkte gestiegen. Nach der Ankündigung der konzertierten Zentralbankenaktion fiel der Aufschlag auf 2,07 Punkte, gestern Vormittag war er wieder bei 2,13 Prozent angelangt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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