Märkte müssen mit baldiger Erhöhung der Leitzinsen rechnen
Polens Notenbankchef plädiert für rasche Übernahme des Euros

Polens Notenbankpräsident Leszek Balcerowicz mahnt für sein Land eine solide Finanzpolitik an. „Polen sollte schnell und glaubhaft die zur Erfüllung der Maastricht- Kriterien erforderlichen Reformen auf den Weg bringen und dann unverzüglich der Währungsunion beitreten“, sagte Balcerowicz dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. Das wäre die beste Strategie. „Die Politiker sind in einem moralischen Sinn verpflichtet, die Risiken zu beseitigen, die dem entgegenstehen, was wir am meisten brauchen: dauerhaft schnelles Wirtschaftswachstum.“ Würde die „beste Strategie“ zügig umgesetzt, könnte es Polen nach Ansicht des Notenbankchefs nach wie vor schaffen, den Euro 2007 zu übernehmen.

Balcerowicz leugnet indessen nicht die politischen Unsicherheiten, die Polen gegenwärtig lähmen. Er hofft, dass die nächsten Tage Klarheit darüber bringen, ob und wann es vorgezogene Wahlen gibt. Selbst dann gilt es aber als unsicher, ob es zu einer stabilen, stabilitäts- und reformorientierten Regierung kommen wird, wie sie dem Idealbild des Notenbankpräsidenten entspricht.

Balcerowicz ist überzeugt, dass ein rascher Beitritt zur Währungsunion Polens Wachstumsperspektiven verbessern würde. Schon die Struktur der Beitrittsländer lege die Übernahme des Euros nahe. Es handele sich ausnahmslos um relativ kleine, sehr offene Volkswirtschaften, die wirtschaftlich bereits eng mit dem Euro-Raum verzahnt seien. Die Verflechtung des Handels und der Gleichlauf der Konjunkturen machten Wachstumsimpulse wahrscheinlich. Zu erwarten seien mehr Handel und mehr Investitionen.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Balcerowicz, dass die Beitrittsländer aus Kreisen der EU immer wieder aufgefordert werden, sich mit der Einführung des Euros Zeit zu lassen. Dahinter steht die Überzeugung, dass es sinnvoller ist, dass die neuen EU-Staaten erst die erforderlichen Reformen auf den Weg bringen, ehe sie sich der vom Maastricht-Vertrag vorgeschriebenen zweijährigen Testphase im Wechselkursmechanismus (WKM) II unterwerfen. „Das führt zu Missverständnissen“, sagte der polnische Notenbankchef. „Wenn die Leute hier hören: ,Lasst Euch Zeit’, warum sollten sie sich dann mit den Reformen beeilen?“ Was die Beitrittsländer wirklich brauchten, sei die Ermutigung, Strukturreformen entschlossen anzugehen und der Druck gleichgesinnter Länder.

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