Märkte regierten nicht auf den Vorstoß
Japanische Notenbank reagiert auf Erholung des Finanzsektors

Die japanische Notenbank will das Finanzsystem des Landes angesichts der Erholung von der Bankenkrise künftig zumindest zeitweise mit weniger Liquidität versorgen.

HB TOKIO. Diese weitgehend erwartete Ankündigung der Bank von Japan (BoJ) am Freitag nach ihrer zweitägigen Sitzung wurde von Analysten jedoch nicht als Signal für ein baldiges Ende der ultra-lockeren Geldpolitik gewertet. Auch Notenbankchef Toshihiko Fukui und die Regierung betonten, vor einer Straffung der geldpolitischen Zügel müsse die Wirtschaft nachhaltig an Fahrt gewinnen und die seit sieben Jahren dauernde Deflation überwinden. Als Zeichen für ihre unveränderte Haltung bekräftigte die BoJ in ihrem später veröffentlichten Monatsbericht die Erwartung einer allmählichen Konjunkturerholung.

Die japanische Notenbank hält die Leitzinsen und damit die Kosten für die Refinanzierung der Banken seit Jahren bei nahe null Prozent. Doch da die Geldinstitute des Landes unter der milliardenschweren Last fauler Kredite zu ersticken drohten, versorgt die BoJ die Banken seit etwa vier Jahren mit zusätzlicher Überschuss-Liquidität, mit denen sie ihre Bilanzen in Ordnung bringen sollten. Diese Strategie trägt zunehmend Früchte: Die faulen Kredite an insolvent gegangene Firmen sind weitgehend abgeschrieben, die Finanzen der Banken sind spürbar gesundet und die gesamte Wirtschaft hat im ersten Quartal 2005 wieder Fahrt aufgenommen. Damit sinkt auch der Bedarf der Banken an überschüssiger Liquidität.

Im Einzelnen steuert die BoJ ihre Geldpolitik wie folgt: Sie strebt eine bestimmte Höhe für die Einlagen der Banken bei der Notenbank an. Diese beträgt derzeit 30 bis 35 Billionen Yen (rund 220 bis 257 Mrd. €) und wurde von den Währungshütern am Freitag auch unverändert gelassen. Damit liegt die Zielgröße fünf bis sechs Mal so hoch wie die Mindestreserve von sechs Billionen Yen, die die Institute hinterlegen müssen. Die Differenz wird von der BoJ ins Finanzsystem gepumpt und stellt somit überschüssige Liquidität dar, über die die Banken frei verfügen können. Am Freitag kündigte die BoJ nun an, dass die Notenbank zumindest zeitweise diese Zielgröße für die Einlagen auch unterschreiten könne. Dies macht der BoJ Analysten zufolge die Steuerung des Geldmarktes angesichts des sich erholenden Bankensektors einfacher.

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