Märkte wenig beeindruckt: Japan erhöht Leitzins

Märkte wenig beeindruckt
Japan erhöht Leitzins

Die japanische Notenbank hat den Leitzins erstmals nach sieben Monaten wieder angehoben. Die Zentralbank reagierte damit auf gute Konjunkturdaten, machte jedoch auch klar, dass demnächst keine weiteren Zinserhöhungen zu erwarten sind. Er wolle die grundsätzliche Politik „sehr niedriger Zinssätze“ beibehalten, sagte Notenbankchef Toshihiko Fukui am Mittwoch in Tokio. Fukui verwies jedoch auf die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft, wenn die Notenbanken trotz Wirtschaftswachstums die Zinsen niedrig ließe. Japans Bruttoinlandprodukt steigt seit vier Jahren.

TOKIO. Ein Mitglied des neunköpfigen Zinsausschusses der Bank of Japan (BoJ) stimmte gegen die Erhöhung – der Zinsschritt war damit der erste seit 1998, den die Notenbanker nicht einstimmig beschlossen haben. Es gab zudem Zweifel, ob die Entwicklung der Preise einen Zinsschritt rechtfertigt. Im Normalfall reagiert eine Zentralbank damit auf Inflationstendenzen. In Japan steigen die Preise jedoch nur minimal. Bis vor kurzem drohte sogar eine Spirale abnehmender Preise, also Deflation.

Experten sind sich einig, dass die Entscheidung nicht als erster Schritt zu einer Normalisierung des Zinsniveaus zu werten ist. „Wir glauben, dass die BoJ damit hauptsächlich ihre Glaubwürdigkeit retten wollte“, sagt Shinichi Ichikawa von Credit Suisse Tokyo. Die Entscheidung sei eher als politischer Zug Fukuis zu sehen, denn weitere Passivität wäre ihm als Unfähigkeit zu Zinsschritten ausgelegt worden. Außer seiner Glaubwürdigkeit den Märkten gegenüber wäre damit intern seine Führungskraft in Gefahr gewesen. „Wir sehen die Entscheidung nicht als Vorläufer für eine fortgesetzte Serie von Zinsanhebungen“, erklärt Ichikawa.

Volkswirt Takuji Aida von Barclays Capital Tokyo zufolge konzentrierte sich die BoJ auf den zuletzt wieder angestiegenen privaten Konsum. Diesen Indikator hat sie besonders im Auge, seit die Verbraucher im letzten Sommer nur wenig Geld ausgaben. „Der Markt dürfte die Neueinschätzung jedoch nur schwer verstanden haben“, meint Aida im Hinblick darauf, dass der Konsumtrend sich auch bei der Zinssitzung im Januar abzeichnete, auf der die Bank sich gegen eine Erhöhung entschloss. Weitere Zinsschritte seien insofern möglich, als die Bank künftig weniger Rücksicht auf die Preise nehmen könnte. Das habe Fukui in seinen Ausführungen angedeutet.

Von 1999 bis 2006 verfolgte die BoJ offiziell eine ultralockere Geldpolitik. Sie hielt die Zinsen niedrig und überschwemmte den Markt mit Liquidität. Im März vergangenen Jahres beendete sie diese Politik zwar. Sie erhöhte jedoch seitdem nur einmal die in Japan maßgebliche Overnight Call Rate von null auf 0,25 Prozent. Die Overnight Call Rate hat in Japan den Stellenwert, den in Europa der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank einnimmt.

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