Markit-Index
Dienstleister der Euro-Zone mit schrumpfenden Geschäften

Die Geschäfte der Dienstleister in der Euro-Zone erholen sich langsam. Der entsprechende Markit-Einkaufsmanagerindex konnte zwar leicht zulegen, bleibt aber weiter unter der Wachstumsschwelle.
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Berlin/LondonDie deutschen Dienstleister schauen trotz eines Lichtblicks im Juli skeptisch in die Zukunft. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor stieg um 0,4 auf 50,3 Punkte, wie das Markit-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 500 Firmen mitteilte. Damit kletterte das Barometer zwar wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Zählern, blieb aber weit unter seinem langjährigen Durchschnitt. Den Dienstleistern könnten wie der schwächelnden Industrie schwere Zeiten bevorstehen, warnte Markit-Ökonom Tim Moore: "Die Zahl der Neu- und Folgeaufträge ist so drastisch gesunken wie seit Juni 2009 nicht mehr." Zudem sind die Firmen so skeptisch für die nächsten zwölf Monate wie zuletzt im Oktober 2011.

Die Dienstleister halten sich in der Schuldenkrise noch besser als die exportorientierte Industrie. Der Composite Index von Markit, der beide Sektoren zusammenfasst, sank im Juli auf 47,5 von 46,1 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. "Die Gesamtleistung der deutschen Privatwirtschaft erlebte den tiefsten Fall seit knapp über drei Jahren", betonte Moore. Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank hält die Unsicherheit für eine der größten Bremsen im Geschäft der Dienstleister. "Die Eurokrise beeinträchtigt das Vertrauen in diesem binnenmarktorientierten Sektor." Allerdings steige die Beschäftigung weiter und die Unternehmen könnten auch wieder schnell in die Wachstumsspur finden - "wenn erst einmal die Unsicherheit nachlässt", sagte Schulz.

In der gesamten Euro-Zone sieht es für die Service-Firmen düsterer aus. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Juli um 0,8 auf 47,9 Punkte, blieb aber deutlich unter der 50-Punkte-Marke. Die Chancen für eine Trendwende stehen schlecht. "Infolge der anhaltenden Verunsicherung der privaten Haushalte und der Geschäftskunden gleichermaßen mussten die Dienstleister die höchsten Auftragsverluste seit drei Jahren hinnehmen", schrieben die Markit-Forscher. Die Unternehmen bewerteten ihre Geschäftsaussichten deshalb so pessimistisch wie seit März 2009 nicht mehr. Anders als in Deutschland bauten sie den siebten Monat in Folge Stellen ab. Die Konjunkturflaute trifft auch die Einzelhändler. Ihr Umsatz stieg im Juni nur noch um magere 0,1 Prozent zum Vormonat, nach plus 0,8 Prozent im Mai.

Die Geschäfte der Industrie schrumpfen sogar seit Monaten. Der Composite-Index für die Euro-Zone blieb trotz eines Minianstiegs um 0,1 auf 46,5 Punkte weit unter der Wachstumsmarke. "Dass Italien und Spanien den Tiefpunkt der Rezession wohl hinter sich haben, ist wenigstens ein kleiner Trost", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Auch das zweite mäßige Wachstum Irlands in Folge nähre die Hoffnung, dass den Peripherieländern eine Trendwende gelingen könne. Sorge bereite aber die deutsche Wirtschaft. "Sollte Deutschland in der Rezession versinken, würde dies bedeuten, dass sich auch die Schwergewichtsländer kollektiv gegenseitig in den Abwärtsstrudel ziehen können", sagte Williamson.

Der Internationale Währungsfonds sagt dem Währungsgebiet 2012 ein Schrumpfen der Wirtschaftskraft von 0,3 Prozent voraus. (Reporter: Klaus Lauer, René Wagner, Andy Bruce; redigiert von Boris Berner)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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