Markit-Index
Kräftiger Rückenwind für deutsche Dienstleistungsbranche

Die deutsche Konjunkturerholung bleibt das Maß aller Dinge in Europa. Auch die Dienstleister in Deutschland gehen laut Markit-Index mit Schwung in das Schlussquartal. Die Firmen beschleunigten ihr Geschäftswachstum im Oktober und stockten ihr Personal auf, wie die Markit-Forscher am Donnerstag zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Firmen mitteilten. Gut lief es bei den Hoteliers und Gastwirten. In den meisten anderen Euroländern hingegen schwächelt die Branche.
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HB BERLIN. Robuste Geschäftszuwächse bei Industrie und Dienstleistern sorgten dafür, dass die Privatwirtschaft in Deutschland zu Beginn des vierten Quartals kräftig zulegte, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. Das Wachstumstempo bleibe überdurchschnittlich stark, womit Deutschland besser abschneide als die gesamte Euro-Zone. Der Markit-Dienstleister-Index stieg um 1,1 Punkte auf 56,0 Zähler und notierte damit bereits den 15. Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Zudem notiere der Index über dem langjährigen Durchschnittswert von 52,9 Punkten.

Das Wachstum fällt jedoch geringer aus als in einer ersten Schätzung angenommen. Die Firmen erhielten erneut mehr Aufträge als im Vormonat, das Tempo beim Neugeschäft gab aber insgesamt leicht nach. Die Firmen, bei denen die Nachfrage anzog, führten dies nach Angaben der Forscher auf erfolgreiches Marketing, neue Produkte und das bessere Geschäftsklima zurück. Zugleich stockten die Firmen ihre Belegschafen so stark auf wie seit Juni 2008 nicht mehr. Vor allem Hoteliers und Gastwirte stellten ein. Die Auftragsbestände schrumpften dagegen so stark wie seit Januar nicht mehr, weil die Firmen mit mehr Mitarbeitern effizienter arbeiten.

Ihre Geschäftsaussichten für die kommenden Monate beurteilten die Firmen erneut optimistisch. Unter dem Strich zeigten sich dreimal so viele Firmen zuversichtlich wie pessimistisch. Allerdings ist die Zuversicht nicht mehr ganz so groß wie noch in den Vormonaten. Auch die deutsche Industrie steigerte ihre Geschäfte zu Beginn des vierten Quartals kräftig. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg um 1,3 Punkte auf 56,0 Zähler. Das weckt Hoffnungen darauf, dass sich das Wachstum in Deutschland nach dem starken zweiten Quartal doch nicht so stark abkühlt wie befürchtet.

Spanische Dienstleister mit kräftige Einbußen

Während die Geschäfte in Deutschland und Frankreich besser liefen, kamen die Service-Firmen in Italien und Irland kaum vom Fleck. Die spanischen Unternehmen verzeichneten sogar kräftige Einbußen. Unterm Strich sackte der gesamte Dienstleistungsindex im Oktober um 0,8 auf 53,3 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Februar, wie aus der Markit-Umfrage unter rund 2000 Betrieben hervorgeht. "Der Service-Sektor bleibt mit der niedrigsten Wachstumsrate seit acht Monaten der Wackelkandidat des Eurozonen-Aufschwungs", sagte Markit-Chefvolkswirt Williamson. Die Industrie hingegen hatte im Oktober an Dynamik gewonnen.

Die deutlich schwächere Entwicklung der Dienstleister zeigt sich daran, dass das Geschäftswachstum mangels ausreichender Neuaufträge größtenteils aus dem Abarbeiten des Auftragspolsters resultierte. "Wenn sich daran nichts ändert, dürften die Firmen wieder verstärkt auf Stellenstreichungen zurückgreifen und bald einen Jobabbau auslösen", mahnte Williamson. Im Oktober fiel der sechste Beschäftigungsaufbau in Folge nur noch mager aus und beschränkte sich weitgehend auf Frankreich und Deutschland.

"Zu vermehrten Entlassungen kam es hingegen in Italien, Spanien und Irland", erklärte Markit. Sorgen bereiten Ökonomen vor allem die Zweiklassen-Gesellschaft in der Euro-Zone mit den Schwergewichten als Wachstumsmotoren und den hoch verschuldeten Staaten als Konjunkturbremsen. "Der Aufschwung hängt viel zu stark von Frankreich und Deutschland ab", betonte Williamson.

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