Markit-Umfrage
Deutschland steuert auf Job-Boom zu

Die deutsche Industrie schafft trotz einer leichten Wachstumsdelle zu Jahresbeginn neue Arbeitsplätze im Rekordtempo. Zu schaffen macht den Firmen jedoch der kräftige Preisauftrieb - wegen der hohen Kosten.
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BerlinDie Firmen steigerten ihre Produktion im Januar erneut etwas kräftiger als im Vormonat, wie aus der Markit-Umfrage unter Hunderten Firmen hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Dienstleister steigerten ihre Geschäfte sogar noch etwas kräftiger und blicken nun so optimistisch in die Zukunft wie seit Dezember 2003 nicht mehr. Die jüngsten Daten seien ein Zeichen dafür, dass der Wachstums-Funke von der Industrie auf die anderen Bereiche der Wirtschaft übergesprungen sei, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. „Eine Phase des nachhaltigen, von Konsum getriebenen Wachstums - bisher häufig nur eine Illusion - könnte nun vor der deutschen Wirtschaft liegen.“ Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank auf 60,2 Punkte von 60,7 Zählern im Dezember. Er liegt damit den 16. Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Experten hatten sich jedoch auf einen weiteren Anstieg auf 60,8 Punkte eingestellt. Grund für den Dämpfer sind die Neuaufträge: Hier signalisierte das Barometer ein etwas schwächeres Wachstum als im Dezember. Besonders aus dem Ausland legte die Nachfrage nicht mehr so stark zu wie im Vormonat. Dank gut gefüllter Auftragsbücher fuhren die Unternehmen ihre Produktion wieder schneller hoch. Erst am Freitag hatte der Ifo-Index einen Rekordwert markiert und damit Hoffnungen auf ein anhaltend starkes Wachstum der deutschen Wirtschaft genährt.

Zu schaffen macht den Firmen jedoch der kräftige Preisauftrieb: Die Kosten stiegen so stark wie noch nie seit Beginn der Umfrage im April 1996. Zuletzt verteuerten sich zahlreiche wichtige Rohstoffe wie Kupfer und Eisenerz, der Preis für ein Fass Nordseeöl ist nicht mehr weit von der Marke von 100 Dollar entfernt. Dazu kommt, dass bei vielen Lieferanten die Lager leer sind, was ebenfalls die Preise treibt.

Das Dienstleister-Barometer stieg dagegen unerwartet auf 60,0 Punkte von 59,2 Zählern im Vormonat und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2006. Hier hatten Experten einen Rückgang auf 59,1 Punkte vorhergesagt. Zugute kamen den Firmen anziehende Aufträge - die Bücher füllten sich so rasch wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Juni 1997. Die Dienstleister haben auch etwas weniger Probleme mit der Teuerung als die Industrie, die Kosten stiegen nicht mehr ganz so stark wie im Dezember. Ihre Geschäftsaussichten beurteilen die Firmen daher auch wieder optimistischer, das entsprechende Barometer erreichte den höchsten Stand seit Dezember 2003.

Nach dem raschen Wachstum von 3,6 Prozent 2010 rechnen viele Experten für dieses Jahr mit einer ruhigeren Gangart. Die Bundesregierung erwartet ein Wachstum von 2,3 Prozent.

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