Markit-Umfrage
Euro-Krise bremst Dienstleister aus

Die Zeiten der Hochkonjunktur für die deutschen Dienstleister neigen sich bedrohlich dem Ende entgegen: Das Geschäftswachstum verlangsamte sich im August. Es droht Stagnation.
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BerlinDie Firmen blicken nach den ersten Auftragseinbußen seit über einem Jahr nur noch zaghaft optimistisch in die Zukunft, wie aus der am Montag veröffentlichten Umfrage des Markit-Instituts unter rund 500 Firmen hervorgeht. Der Einkaufsmanagerindex fiel im August nach endgültigen Berechnungen auf 51,1 Punkte und liegt damit nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Zum Vormonat sackte das Barometer um 1,8 Zähler ab. Da sich auch die Industrie nur noch mit Mühe im Wachstumsbereich hält, verdüstern sich die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven nun merklich: „Die deutsche Privatwirtschaft steuert nach über zweijähriger Wachstumsphase nun langsam auf Stagnation zu“, warnte Markit-Ökonom Tim Moore.

Dabei passt es ins Bild, dass die Geschäfte in allen Service-Bereichen zuletzt nicht mehr so gut liefen wie im Vormonat. Die unsicheren Konjunkturaussichten schlugen auf die Nachfrage durch. Besorgniserregend waren vor allem die ersten Auftragseinbußen seit über einem Jahr. Der Mangel an Neu- und Folgeaufträgen führte dazu, dass auch die Orderbestände zum zweiten Mal in Folge abnahmen. Die stärksten Rückgänge mussten die Firmen der Post- und Telekommunikationsbranche verkraften. Insgesamt fiel der Abbau aber milde aus.

Die Firmen sind daher per Saldo weiter bereit, neue Mitarbeiter einzustellen. Zum Jobabbau kam es jedoch bei den Vermittlern von Finanzdienstleistungen. Dennoch schwindet der Optimismus zusehends: Das Markit-Barometer zu den Geschäftsaussichten sackte im Vergleich zum Juli kräftig ab. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, sank auf 51,3 von 52,5 Punkten im Juli.

Blick auf die Euro-Zone

Zwischen der Geschäftslage der Dienstleister in der gesamten Euro-Zone liegen derzeit Welten. Insgesamt legte der Sektor im Währungsgebiet im August zwar noch zu, das Barometer fiel jedoch auf 51,5 Punkte und markierte damit ein Zweijahrestief. Nach dem Boom zum Jahresanfang droht nun die Stagnation, wie Markit-Ökonom Chris Williamson warnt: „Die Firmen bekommen jetzt das abrupte Ende des Industrieaufschwungs, die knallharten Sparprogramme der Regierungen und die Besorgnis über die ausufernde Finanzkrise schmerzlich zu spüren.“

Das Geschäftswachstum beschleunigte sich lediglich in Frankreich. Italien und Spanien sanken hingegen noch tiefer in die Rezession ab. Die jüngsten Turbulenzen an den Aktiemärkten und Sorgen hinsichtlich der globalen Konjunkturentwicklung drückten den Index der Geschäftsaussichten in der Euro-Zone auf den tiefsten Wert seit April 2009. Verflogen ist der Optimismus allerorten - auch in Frankreich, wo die Geschäftsperspektiven so
schwach wie seit über einem Jahr nicht mehr beurteilt werden.

Die unerledigten Aufträge nahmen in der Euro-Zone insgesamt zum zweiten Mal hintereinander leicht ab. Frankreich verzeichnete einen zügigen Anstieg, während die Auftragspolster in Deutschland, Italien, Spanien und Irland schmolzen. Dass die gesamte Privatwirtschaft in der Euro-Zone an Fahrt verliert, signalisiert auch der Composite-Index. Das Barometer sank auf 50,7 von 51,1 Zählern und damit auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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