Max Otte
„Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft sind die USA“

Der renommierte Krisenökonom Max Otte warnt davor, angesichts der Portugal-Krise die wahren Probleme der Weltwirtschaft zu übersehen. Im Interview erklärt er, warum die USA die eigentliche Bedrohung sind.
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Handelsblatt Online: Herr Otte, nach Irland und Griechenland ist Portugal das dritte EU-Mitglied, das Hilfen benötigt. Kommt das Hilfegesuch nicht zu spät?

Max Otte: Man kann das so oder so sehen. Portugal ist weder Griechenland noch Irland. Das Land hatte vor der Krise einen halbwegs soliden Staatshaushalt, die Immobilienblase war begrenzt. Es ist verständlich, dass das Land zunächst versucht, die Turbulenzen selber zu bewältigen.

Die Portugiesen schlüpfen unter den Euro-Rettungsschirm. Deutschland dagegen erfreut sich einer weiter kräftig wachsenden Wirtschaft und kann darauf hoffen, die Defizitquote zu halbieren. Wie passt das zusammen?

Die ganzen Probleme, die wir jetzt haben, sind durch den Euro erst verursacht worden - und teilweise auch Deutschlands Stärke. Nach der Einführung hatten die Südländer und Irland auf einmal die niedrigen Zinsen Deutschlands. Man begann, sich zu verschulden. Ein Boom setzte ein, die Preise und Löhne stiegen. Kapital aus Deutschland - wo die Löhne niedrig blieben - floss in diese Länder. Damit stieg Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit.

Anders als für Deutschland stellen für schwächere Staaten auch kleine zusätzliche Belastungen, wie die Leitzinserhöhung, ein großes Problem dar. Hat die EZB mit ihrer Zinswende dennoch richtig gehandelt?

Ich denke ja, sie war längst überfällig. Seit nunmehr 25 Jahren versuchen wir, mit künstlich billigem Geld Krisen zu bekämpfen und Wachstum zu schaffen. Das ist wie mit Drogen. Irgendwann muss der Teufelskreislauf durchbrochen werden.

Ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Dominostein ins Wanken gerät. Spanien, Belgien oder Italien?

Das hängt davon ab. Die ganze Euro-Hysterie lenkt doch nur davon ab, dass das wirkliche Problem der Weltwirtschaft die Vereinigten Staaten von Amerika sind. Hier gibt es ein Haushaltsdefizit von 11 Prozent, was fast doppelt so hoch wie das der Euro-Zone ist.

Ab 2013 soll ein neuerer, größerer Rettungsschirm gelten. Rückt damit auch die Transferunion näher?

Die Transferunion ist längst Realität. Die Bundesbank ist nicht mehr unabhängig. Deutschland hat währungs- und europapolitisch kapituliert. Insofern ist der in Frankreich geäußerte Spruch, dass nun die von Versailles realisiert werden, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Max Otte ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms. Als gefragter Wirtschafts- und Finanzexperte hat er bereits mehr als ein Dutzend Bücher in Deutschland und den USA zu Wirtschafts- und Kapitalmarktthemen veröffentlicht. In seinem Buch "Der Crash" kommt prognostizierte er bereits im Sommer 2006 die internationale Finanzkrise und ihre Auswirkungen.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Max Otte: „Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft sind die USA“"

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  • Ich wüsste das auch gerne konkret, ich vermute aber, er spricht auf den Satz an, den Clemenceau nach dem Ende des ersten Weltkrieges gesagt haben soll: "Wir lassen uns unsere Schulden von Deutschland bezahlen!"

  • "kann darauf hoffen, die Defizitquote zu halbieren." Das ist so, als ob ein erkrankter Übergewichtiger jedes Jahr 50 Kilo Zunimmt, sich aber vornimmt seine Gewichtszunahme zu halbieren und in Zukunft nur noch 25 Kilo zuzunehmen. Die Schulden in Europa, auch die in Deutschland können nie zurück bezahlt werden, auch nicht wenn wir in Zukunft unsere Neuschuldenzunahme halbieren. Es werden trotzdem immer mehr Schulden. Um so einen Unsinn zu erklären muss man entweder verrückt oder Ökonom sein.

  • „Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft sind die USA“

    glaub ich jetzt aber nicht. die schöpfkelle voller heisser luft kreist doch schon und wird mit hilfe von gottes eigenen bankern die welt erneut "beglücken".

    ein bekannter aus tucson hat mir eine lustige geschichte zum thema autokauf erzählt.
    mit irgendeiner bestätigung, bei einem öffentlichen arbeitgeber beschäftigt zu sein, kann man bei vw dort mittlerweile autos zu klasse bedingungen “kaufen”:
    anzahlung 0,00 dollar,
    kreditsumme rund 120 % des kaufpreises,
    sofortige auszahlung des “überschuss”kreditbetrages an den autokäufer,
    erste zahlrate im 37ten vertragsmonat,
    letzte rate nach 240 monaten mit restfälligkeitsbetrag von knapp 50 % der kaufsumme,
    nominalzins (gut versteckt, zum selbstausrechnen) rund 13 %.

    mit den konditionen kann man den knall wahrscheinlich auf den tag verschieben, an dem der letzte afrikaner seinen zweitwagen abholt.

    vielleicht “erfindet” die fed aber bis dahin auch noch ganz neue käuferschichten.

    “44,082324 Millionen US-Bürger bezogen im Dezember 2010 die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 133,62 Dollar pro Person im Monat, auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).”

    kann man da vielleicht zusammenlegen?

    oder sind 100fach überzeichnete zertifikate auf grund- und bodenansprüche (gern in der tiefsee oder dem mond) das nächste grosse ding; lässt sich doch bestimmt (fürs triple a) mit ein paar qm in manhattan mixen?

    übrigens pimco/allianz sind prima bei tepco dabei – steht ja auch angeblich ganz fett in den policen.

    ich glaube, bevor wir nicht endlich in europa auch bei den billionen gelandet sind, drehn wir noch ein paar runden.

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