Maximale Auslastung
Auftragsboom überrollt Industrie

Der Aufschwung in Deutschland im derzeitigen Umfang kam überraschend. Die Firmen sind auf die deutliche Zunahme von Aufträgen nicht vorbereitet. Die logische Konsequenz der ausgelasteten Kapazitäten sind nun Engpässe bei den Zulieferern – die Konjunktur zwingt die Industrie zu Investitionen.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Der unerwartet starke Konjunkturaufschwung führt zu Lieferengpässen und Kapazitätsproblemen in der deutschen Industrie. Einige Konzerne sprechen bereits von „Flaschenhälsen“ in der laufenden Produktion. Nach Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts bewegt sich die Kapazitätsauslastung im deutschen Maschinenbau mit 93 Prozent auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Und die Auftragseingänge in der Branche wachsen immer noch schneller als die Produktion. Wer keine langfristigen Lieferverträge abgeschlossen habe, bekomme „Probleme und muss sich hintenanstellen“, sagt der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers.

Viele Industriekonzerne haben in den vergangenen Jahren ihre Fertigungstiefe gesenkt und sind jetzt besonders stark von Zulieferern abhängig. Erstmals stehen viele deutsche Firmen damit vor den typischen Herausforderungen eines Wirtschaftsbooms wie in den USA, der erhöhte Flexibilität und einen schnellen Kapazitätsausbau verlangt.

Vergleichbare Engpässe in der deutschen Industrie gab es „nur zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung“, sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Industriebank IKB, Kurt Demmer. Damals sorgte der Nachholbedarf in den neuen Bundesländern für eine Auftragsflut in der Industrie. Heute explodiert die Nachfrage nach Investitionsgütern, weil der langjährige Exportboom der deutschen Wirtschaft nun auch eine sich selbst verstärkende Investitionskonjunktur auf dem Binnenmarkt ausgelöst hat. Die deutschen Unternehmen konnten in den letzten Monaten vor allem innerhalb Europas „massiv Marktanteile gewinnen“, so IKB-Experte Demmer. Seine Bank finanziert vor allem den Kapazitätsausbau in mittelständischen Unternehmen.

Nach Einschätzung von Experten werden sich die Lieferengpässe in den nächsten Monaten noch weiter verschärfen. Schon heute klagen 23 Prozent der Maschinenbauer laut Ifo-Institut über Materialknappheit, vor einem Jahr waren es erst acht Prozent. 14 Prozent der Branchenunternehmen bezeichnen Kapazitätsengpässe als akutes Problem – doppelt so viele wie noch 2006.

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