Medienbericht: China im IWF bald mit Japan gleichberechtigt

Medienbericht
China im IWF bald mit Japan gleichberechtigt

Es gilt nur als eine Frage der Zeit, bis China Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ablöst. Entsprechend sollen auch die Karten im Internationalen Währungsfonds (IWF) neu gemischt werden. Einem japanischen Zeitungsbericht zufolge wird das Reich der Mitte bald das gleiche Stimmrecht besitzen wie die Japaner.
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HB TOKIO/PEKING. China soll einem japanischen Zeitungsbericht zufolge im Internationalen Währungsfonds (IWF) genauso viel Einfluss wie Japan erhalten. Die Aufstockung der chinesischen Quote auf dann sechs Prozent sei bei der Reform des Fonds im Herbst geplant, berichtete das Wirtschaftsblatt „Nikkei“ am Samstag ohne Nennung von Quellen. Auch die Stimmrechte für andere Schwellenländer wie Indien, Südkorea, Indonesien und Brasilien würden erhöht. Hier nannte das Blatt keine Einzelheiten.

Der Anteil der Staaten entscheidet über ihre Stimmrechte im Gouverneursrat und damit über ihren Einfluss auf die Politik des Fonds, der zuletzt mit Milliardenhilfen dem Euro-Land Griechenland aus der Patsche geholfen hat. Bislang sind die Quoten zugunsten der Gründungsmitglieder Deutschland, Frankreich und Großbritannien verteilt. Sie liegen hinter den USA und Japan auf dem dritten, vierten und fünften Platz. China dürfte noch dieses Jahr Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft ablösen. Die fünf Ratsmitglieder mit den meisten Stimmrechten ernennen die Vorstandsmitglieder.

Deutschland ist Regierungskreisen zufolge zu einem Kompromiss bei der Reform der IWF-Spitze bereit, allerdings zulasten kleinerer EU-Länder wie der Benelux-Staaten. Der Fonds wird neu ausgerichtet, um ihn besser für künftige Krisen zu wappnen.

Einflussreiche chinesische Volkswirte haben derweil die US-Kritik an der Währungspolitik ihres Landes zurückgewiesen. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe China zum Sündenbock für Probleme gemacht, für die die Volksrepublik nichts könne, sagte Huo Jianguo, Direktor der beim chinesischen Handelsministerium angesiedelten Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, in einem am Samstag veröffentlichten Interview der staatlichen Zeitung „China Daily“. Die Vorwürfe und diskutierten Sanktionen entbehrten jeder Grundlage. „China muss sich mit allem Nachdruck dagegen wehren.“

Nach Einschätzung der Volkswirtin Zhang Monan vom Staatlichen Informationszentrum der Regierung profitieren die USA stärker als China davon, dass die Volksrepublik die meisten amerikanischen Staatsanleihen gekauft hat und damit die Schulden der größten Volkswirtschaft mitfinanziert. „Dass wir der größte Gläubiger sind, hat ironischerweise nichts daran geändert, dass die USA ein Mammutstaat sind. Im Gegenteil, die riesige Schuldenlast dient dazu, einen effektiven Mechanismus aufrechtzuerhalten und die jahrzehntelange Finanzhegemonie des Landes über die Welt zu erweitern“, schrieb sie in einem Kommentar der „China Daily“.

Die USA haben in der vergangenen Woche ihren Ton im Währungskonflikt verschärft. Sie werfen der Regierung in Peking vor, den Yuan künstlich billig zu alten und damit die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen gegenüber Produzenten aus China zu schwächen.

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