Mehr als ein Viertel Ökostrom Erneuerbare Energien auf Hochtouren

Die Energiewende dauert noch viele Jahre, die Kosten schnellen bereits im kommenden Jahr in die Höhe. Der Hauptgrund sind die stark steigende Produktion von Wind- und Solarstrom. Das zeigen aktuelle Daten.
Update: 15.10.2012 - 20:12 Uhr 19 Kommentare
Windräder am Horizont, Solarzellen auf dem Dach. Die Erneuerbaren Energien trugen von Juli bis September mehr als ein Viertel zur Stromproduktion bei. Quelle: dpa

Windräder am Horizont, Solarzellen auf dem Dach. Die Erneuerbaren Energien trugen von Juli bis September mehr als ein Viertel zur Stromproduktion bei.

(Foto: dpa)

BerlinDie Ökostrom-Umlage wird im kommenden Jahr auf fast 5,3 Cent steigen und dadurch die Stromrechnung eines durchschnittlichen Haushaltes um mindestens 60 Euro in die Höhe treiben. Ein Grund für den Anstieg ist die stark steigende Ökostrom-Produktion, wie sie Zahlen des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) für die Monate Juli bis September dieses Jahres belegen.

Der Anteil der erneuerbaren Energien ist vorläufigen Berechnungen des IWR ist im dritten Quartale zufolge auf etwas über 27 Prozent geklettert. Von Juli bis September betrug er 27,2 Prozent. Basis für die Berechnung sind Daten der Strombörse EEX, wie die „taz“ in ihrer Dienstagsausgabe berichtet. Im ersten Halbjahr 2012 war der Anteil von Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Wasserkraft bereits erstmals über die 25-Prozent-Marke gestiegen.

Besonders die Solarenergie erzielte Rekordwerte: Im Juli trug sie 9,6 Prozent der Stromerzeugung, wie das IWR errechnete. „Das Entscheidende ist aber nicht die reine Strommenge“, sagt Institutsleiter Norbert Allnoch. Solarstrom stehe dann zur Verfügung, wenn er auch gebraucht werde und der Strom aus fossilen Energieträgern besonders teuer sei - tagsüber. Die Solarenergie decke dann die gegenüber Nachtstunden zusätzlich benötigte Kraftwerksleistung zu großen Teilen ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Streit über die Kosten der Energiewende die eigene schwarz-gelbe Koalition mit deutlichen Worten zur Zusammenarbeit aufgefordert. Die anstehende Erhöhung der Strompreise gebe Anlass zum Handeln, sagte die CDU-Vorsitzende am Montag auf der dritten CDU-Regionalkonferenz in Potsdam. Es nütze aber gar nichts, „wenn wir uns in der Regierung gegeneinanderstellen, sondern da müssen wir gemeinsam eine Lösung finden.“

Strom in Deutschland wird teurer

Merkel sagte, es müsse überlegt werden, wie die erneuerbaren Energien in Zukunft so ausgebaut werden könnten, „dass der Strompreis trotzdem so bleibt, dass Menschen ihn bezahlen können und dass Produktion weiter in Deutschland stattfindet und nicht abwandert“.

Merkel sprach auf der dritten von sechs Regionalkonferenzen, die die CDU vor ihrem Bundesparteitag Anfang Dezember abhält. Die Parteivorsitzende sprach den Angaben zufolge vor rund 800 Teilnehmer. Angemeldet hatten sich demnach 850 Menschen, vor allem Vertreter der CDU-Landesverbände Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Weitere Regionalkonferenzen sind in Schwerin (29. Oktober), Bad Fallingbostel (5. November) und Ludwigshafen (13. November) geplant.

  • afp
  • dapd
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19 Kommentare zu "Mehr als ein Viertel Ökostrom: Erneuerbare Energien auf Hochtouren"

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  • Könnten wir uns bitte mal darauf einigen, dass das Stromnetz auf den Moment der höchsten Belastung ausgelegt sein muss?

    Diese Erkenntnis, kann doch nicht soooo schwer sein. Dies war bisher 2012 ein Februar Morgen um 4:45. Als Reserve wurde in der Schweiz ein Kraftwerk angeworfen. Wenn ich nicht ganz irre, dann scheint im Februar um 4:45 nicht die Sonne.

    Photovoltaik macht nur dann Sinn, wenn Angebotsmaximum und Bedarfsmaximum in etwa übereinstimmen. Ist das so schwer zu kapieren?

    Alles andere bedeutet nur, dass ein wenig Brennstoff gespart wird, denn jedes Photovoltaik kWp muss durch ein Kraftwerk zusätzlich abgedeckt werden. Der Wert einer kWh aus PV entspricht also dem Wert des gesparten Brennstoffs, also zwischen 0,5 und 2ct/kWh.

    Dies sieht natürlich dort anders aus, wo tatsächlich Angebots- und Bedarfsmaximum in etwa übereinstimmen. Für Deutschland ist die Photovoltaik vollkommen ungeeignet, was nicht heissen soll, dass sie in anderen Ländern (und nachdem der Deutsche Verbraucher die Entwicklungskosten für den Rest der Welt übernommen hat) einen sinnvollen Beitrag zur Energieversorgung übernehmen kann.

    Der tiefere Sinn der Übung in der Bundesrepublik Deutschland ist die Zerstörung des Landes, so wie die Grünen es seit Zeiten kundtun.

    “Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr, und das finde ich einfach großartig.” Jürgen Trittin, Bündnis90/Die Grünen
    etc etc. etc.

  • Wie ist das mit dem Quark?
    Da spricht jemand von Traumrenditen - schon mal nachgerechnet? Solarstrom bringt über 20 Jahre kaum noch die Anlagekosten zurück. Neue Windräder - sofern man überhaupt noch geeignete Standorte findet die nicht von "Wutbürgern" bekämpft werden - produziern den Strom für 9 Cent/KWh. Wo ist da noch eine Überförderung? Bei dem Preis muss sich jedes andere neue fossile oder nukleare Kraftwerk sehr anstrengen. Der Grund warum man in alten Kraftwerken den Strom günstiger produzieren kann ist, weil sie URALT sind. Durch die Privatisierung und das Hickhack um den Atomausstieg haben die großen Energieversorger weder in neue Kraftwerke noch in neue Leitungen investiert. Jetzt ist die Gelegenheit dazu: man kann ja alle Kosten auf die Energiewende schieben.

  • ... ich habe schon kompetentere und sachlichere Beiträge im Handelsblatt zu diesem Thema gelesen. Der Tenor ist auch hier: Die Energiewende sei schuld an steigenden Strompreisen. Das teilweise eher das Gegenteil der Fall ist, lässt sich für den normalen Bürger leider nur schwer nachvollziehen: Das Energieversorger-Kartell versteht es geschickt die "Strompreis-Lüge" zur Meinungsmache zu nutzen und viele Journalisten machen sich nicht ausreichend Mühe das komplexe Lügen-Gebilde zu hinterfragen.

  • Hallo Sonnenschein,
    der Strom ist deshalb so teuer, weil der stetig wachsende EEG-Anteil samt sämtliche davon ausgehenden Folgekosten wie Leitungsbau etc. auf den herkömmlichen Strompreis drauf gesattelt wird und nicht anstelle dessen tritt. Was mit der Technik geschieht, das erfolgt logischerweise auch mit dem Preis dafür. Wind-, Solar- und Biokraftanlagen haben die herkömmliche Technik nicht ersetzt, sondern sind dazu gekommen. Und aktuell werden sogar fossil betrieben Kraftwerke mit einem Abschaltverbot belegt. http://goo.gl/EGz4Z

  • Selten so viel Quark gelesen.....

    Schauen Sie mal in die FAZ:

    "Daher fährt der grüne Fraktionschef Jürgen Trittin eine Kampagne gegen die Ausnahmeregelungen, die Unternehmen teilweise von der Umlage für erneuerbare Energien entlasten. Würden die Begünstigungen weitgehend abgeschafft, müssten die privaten Verbraucher 4 Milliarden Euro weniger zahlen, verspricht Trittin. Das Ganze ist ein billiges Ablenkungsmanöver. Denn natürlich sind nicht in erster Linie die zum Schutz der Wirtschaft gedachten Ausnahmen schuld am sprunghaften Anstieg der Grünstromumlage, sondern die planmäßige gesetzliche Überförderung von Wind- und Sonnenstrom durch auf 20 Jahre garantierte Traumrenditen für die Erzeuger.

    Sie kostet allein in diesem Jahr 14 Milliarden Euro. Es war übrigens Bundesumweltminister Trittin, der 2004 dafür gesorgt hat, dass die Prämien auf Solar- und Windstrom nochmals stark erhöht wurden gegen klare Warnungen, das werde viel zu teuer."

  • Hallo Mox..energieintensive Industrien haben sich regelmässig nahe preisgünstiger Energie angesiedelt. So ist das Ruhrgebiet entstanden, das Chemiedreieck in Mitteldeutschland ist nahe der Braunkohle entstanden. Eine DOW Fabrik hatte sich nahe des umweltfreundlichen Kernkraftwerks in Stade angesiedelt.
    Die ersten Industriestandorte waren nicht windreiche Küsten, oder das sonnenreiche Nordafrika.

    Die Verlagerung energieintensiver Industrien ist seit den 80er Jahren im Gange. Diese Entwicklung wird natürlich extrem durch die nach religiösen Kriterien geplante Energieversorgung beschleunigt. Problematisch ist die Vernetzung der Industrie. Den energieintensiven Industrien werden die Anlagenbauer und Komponentenbauer folgen.

    Vandale

  • Zitat: "Und was die Kosten angeht, haben wir mit Sicherheit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht."

    Sie sollten vor allem davon ausgehen, dass die Kosten für die Energie aus fossilen Quellen noch lange nicht am Ende angekommen sind. Oder meinen Sie, dass die Rechnungen für Öl, Kohle oder Gas in Zukunft sinken werden?

    Sonne, Wind und Wasser schicken heute kein Rechnung und werden auch nie eine Rechnung schicken.

    Warum ist bei uns der Strom so teuer? Weil die Erzeugung besonders teuer ist? Nein, sondern weil in Deutschland der Staatsanteil an den Stromkosten fast der höchste in Europa unabhängig vom EEG war und ist. (Nur Dänemark liegt höher)
    http://www.insm-oekonomenblog.de/wp-content/uploads/2010/10/staatsanteil_strompreis.gif

  • Das das Smart-Grid eine Schnapsidee ist, da stimme ich Ihnen ja noch zu. Warum der europäische Netzverbund schwachsinn sein soll, das müssten Sie allerdings schon mal erklären. Bis Deutschland mit der Verkündung der Energiewende praktisch einseitig die Vereinbarungen gekündigt hat, hat er sehr gut und zuverlässig zu einer stabilen und verlässlichen Stromversorgung beigetragen. Wenn wir nicht aufpassen, bauen unsere Nachbarn jetzt alle ihre Kuppelstellen dahingehend aus, unsere Netzbereiche bei Starkwind von ihren Netzen zu trennen. Dann können wir unseren überschüssigen Strom nicht mehr auf Kosten der Netze und Kraftwerke unserer Nachbarn "entsorgen" und die Energiewende ist ganz schnell am Ende.
    Zu Ihrem tollen Vorschlag mit der Verlagerung der Industrie hätte ich nur eine Frage: Warum sollte die Industrie aus Süddeutschland - wenn sie schon umziehen muss - ausgerechnet nach Norddeutschland gehen? Die Welt ist groß!

  • Die eigentlichen Kostentreiber sind nicht das EEG sondern dieser schwachsinnige europäische Netzverbund.
    Energie muss mehr im lokalen Bereich erzeugt verwendet und gepuffert werden.

    Dieser Netzwerkverbund und diese Schnapsideen mit den Smartgrids, das ist die eigentliche Planwirtschaft.

    Seltsamerweise beschweren sich z.B. die Schweizer genauso über wahnsinng steigende Strompreise obwohl sie gar kein EEG haben.
    Sie wurden aber gezwunden an diesem unsinnigen europäischen Netzwerkverbund teilzunehmen.

    Wenn die Industrie Strom braucht soll sie halt künftig nach Norddeutschland ziehen, dort wo die OffshoreParks stehen, anstatt monströse Leitungen durch halb Europa zu ziehen.


  • Tja, 60 EUR wäre mir die Sache vielleicht schon wert...
    Leider entspricht nicht jeder dem deutschen Durchschnittshaushalt und bei mir macht die EEG-Umlage bereits über 300 EUR (inkl. MwSt., die wird ja immer ggerne vergessen) im Jahr aus! Außerdem bezweifle ich stark, dass wir der Umwelt mit all den Windrädern, Freiflächen-Solarpanelen und Biogasanlagen nebst zugehöriger Maisplantagen etwas gutes tun.
    Und was die Kosten angeht, haben wir mit Sicherheit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die bereits eingegangenen Zahlungsverpflichtungen des EEG kann man ja leicht hochrechnen und die Kosten für den Umbau der Infrastruktur kommen noch hinzu. Dagegen fallen die eingesparten Brennstoffkosten, vor allem bei Braunkohle und Kernenergie, nicht ins Gewicht.

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