Mehr Arbeitslose – aber höhere Produktivität
US-Industrie brechen Aufträge weg

Die amerikanische Wirtschaft muss neue Hiobsbotschaften verkraften: Der Auftragseingang der US-Industrie ist im Dezember verglichen mit dem Vormonat stärker gesunken als erwartet. Wie das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte, gingen 3,9 Prozent weniger Orders ein als im November. Damit wurde der fünfte Rückgang in Folge verzeichnet – und die längste Durststrecke seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1992.

HB WASHINGTON. Die Zahl der neuen Anträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA auf den höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren gestiegen. Wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte, ist in der vergangenen Woche die Zahl derjenigen, die Arbeitslosenhilfe beantragt haben, auf 626 000 angewachsen. Das waren noch einmal deutlich mehr als die 591 000 in der Woche zuvor. Analysten hatten nur 583 000 erwartet. Insgesamt erhalten derzeit in den USA fast 4,8 Millionen Menschen staatliche Arbeitslosenhilfe. Das ist der höchste Stand sei Beginn der Statistik 1967. Allerdings ist auch die Zahl der Arbeitskräfte seitdem deutlich gestiegen.

Ein Hoffnungsschimmer ist die Produktivität: Sie ist in den USA im letzten Quartal 2008 deutlich stärker gestiegen als erwartet, der Anstieg der Arbeitskosten schwächte sich zugleich ab. Die sich verschärfende Rezession hat damit die Gefahr einer Inflation gebannt. Das Arbeitsministerium erklärte, die Produktivität sei um 3,2 Prozent gestiegen. Das war deutlich mehr als die 1,1 Prozent, die Analysten erwartet hatten.

Im dritten Quartal 2008 war die Produktivität nur um 1,5 Prozent gestiegen. Die Arbeitskosten stiegen um 1,8 Prozent nach 2,6 Prozent im dritten Quartal. Analysten hatten 2,9 Prozent erwartet.

Was die Auftragseingänge angeht, hatten von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen nur mit einem Rückgang um 3,4 Prozent gerechnet. Die Statistiker korrigierten gleichzeitig die Novemberdaten nach unten. Demnach sank der Auftragseingang um 6,5 Prozent und nicht – wie zunächst berechnet – nur um 4,6 Prozent.

Ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Orders für Transportgüter gingen die Bestellungen im Dezember um 4,4 zurück. Damit fiel der Rückgang aber weniger stark aus als im November (minus sechs Prozent). Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, die als wichtige Messgröße für die Firmenausgaben gelten, sanken im Dezember um 3,2 Prozent. Im Vormonat war hier noch ein Plus von 1,1 Prozent registriert worden. Klammert man den Rüstungssektor aus, gingen die Aufträge im Dezember um fünf Prozent zurück.

Die Daten deuteten auf „sehr schlechte“ Aussichten für die US-Industrieproduktion im laufenden Quartal hin, schreibt die Postbank in einer aktuellen Studie: „Nach Lichtblicken bei Details sucht man in den aktuellen US-Auftragseingängen vergeblich.“

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