Mehr Arbeitslose im Juli
Wirtschaft kommt nicht in Schwung

Der deutschen Wirtschaft fehlt ungeachtet einiger positiver Signale weiter der Schwung. Maschinenbau und Großhandel warten weiter auf eine Trendwende. Die Zahl der Arbeitslosen ist in diesem Monat nach Einschätzung von Experten wieder gestiegen. Die Konjunkturerwartung der Verbraucher blieb nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Juli trotz einer Verbesserung um 2,6 Punkte mit minus 12,7 weiter negativ.

HB/dpa NÜRNBERG/BERLIN. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnete am Mittwoch erst zum Jahreswechsel mit einer Belebung der Wirtschaft.

Die derzeitige Stagnation sei tief greifend und nur schwer zu überwinden, sagte Gustav Adolf Horn, Leiter der Abteilung Konjunktur des DIW, am Mittwoch im Deutschlandradio Berlin. Positiv habe bereits die von der Regierung angekündigte Steuersenkung gewirkt. Dieser Optimismus sei aber durch die unsichere Frage der Gegenfinanzierung gefährdet. Nachdem der ifo-Geschäftsklimaindex zu Wochenbeginn im dritten Monat in Folge gestiegen war, hatte dies die Hoffnungen auf eine Trendwende genährt. Ein Zeichen für einen Aufschwung sei der Anstieg der Konsumausgaben, sagte Horn.

Der Gfk-Studie zufolge hat die Kauflust zuletzt allerdings nachgelassen. Nach einem Plus von zehn Punkten im Juni sank die Anschaffungsneigung der Deutschen wieder um 4,2 Punkte auf minus 33,9. Bis zum Jahresende hält die GfK wieder eine leichte Belebung des privaten Verbrauchs für möglich. Die Einkommenserwartung erhöhte sich zum vierten Mal in Folge. Nach Angaben der GfK liegt dieser Indikator mit minus 2,6 nur noch knapp unter dem langjährigen Durchschnittswert von null Punkten. GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst sagte der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX, es zeichne sich „stückchenweise ab, dass sich etwas bewegt“. Für eine grundlegende Erholung der deutschen Wirtschaft wäre es jedoch gefährlich, sich bereits jetzt selbstzufrieden zurückzulehnen.

Warten auf die Trendwende

Experten gehen derweil von einer saisonbedingten Zunahme der Erwerbslosenzahl um rund 100 000 auf etwa 4,35 Millionen aus. Das wären etwa 300 000 mehr als vor einem Jahr. Während der Urlaubszeit halten sich viele Betriebe mit der Wiederbesetzung freier Stellen zurück. Der im Vergleich zum Vorjahr späte Beginn der Sommerferien in den bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg schlage in diesem Jahr voll auf die Juli-Zahlen durch, hieß es. Im Juni war die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung noch überraschend stark um 85 000 auf 4 257 400 zurückgegangen.

Der deutsche Großhandel wartet weiter auf eine Trendwende zum Positiven. Im ersten Halbjahr 2003 setzte die Branche zwar 0,7 Prozent mehr um, preisbereinigt gingen die Umsätze aber um 0,1 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Zwar bessere sich die Stimmung bei den bundesweit 120 000 Unternehmen, die Zahlen zeigten aber noch keinen Aufschwung, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, in Berlin. Vor allem die geringe Investitionsneigung spreche eine deutliche Sprache.

Der Maschinenbau rechnet für 2003 mit einer stagnierenden Produktion. In den ersten fünf Monaten sei das Produktionsniveau des Vorjahreszeitraumes um 0,7 Prozent verfehlt worden, berichtete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt. Die Bestellungen aus dem Ausland lagen im Juni um 13 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Insgesamt ergab sich zu Sommerbeginn ein Minus von neun Prozent im Auftragseingang.

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