Mehr Ausfuhren als im Vorjahr
Exportmotor beginnt leicht zu stottern - bleibt aber stark

Die deutsche Wirtschaft hat im Juni deutlich mehr exportiert als im Vorjahresmonat. Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren um 16,1 %, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Nun stellt man sich die Frage, ob der Export seinen Höhepunkt bereits überschritten hat - dabei wurden so große Hoffnungen in ihn gesetzt.

HB BERLIN. Im Vergleich zum Mai sanken die Exporte saisonbereinigt jedoch um 5,8 %. Mit einem Volumen von 63,0 Mrd. € lagen die Ausfuhren aber 16,1 % über dem Niveau vom Juni 2003, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Einige Volkswirte werteten den Rückgang als Warnsignal dafür, dass der Höhepunkt des deutschen Exportbooms bald schon überschritten sein könnte. „Die Zahlen kommen noch zu früh, um sich Sorgen zu machen“, sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Aber die Gefahr ist, dass sich die Exportnachfrage abschwächt, bevor im Inland investiert wird und Beschäftigung entsteht.“ Andere Ökonomen rechnen aber weiter mit einem guten Exportgeschäft der deutschen Wirtschaft. Die Juni-Werte korrigierten nur die zuletzt starken Zuwächse.

Die Abschwächung beim Monatsvergleich sei durch Sondereffekte und starke Vormonatszahlen zu erklären, kommentierte die Commerzbank die Zahlen. „Die Nachfrage aus dem Ausland ist weiterhin sehr lebhaft. Der Trend wird eindeutig weiter nach oben zeigen“, teilten die Analysten mit. Das starke Wachstum beim Export habe im zweiten Quartal das Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 0,5 % im Vergleich zum Vorquartal wachsen lassen. Die BIP-Zahlen will das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt geben.

Die wichtigsten Zielländer für Waren „Made in Germany“ sind laut Statistik weiterhin die Länder der Europäischen Union. Dorthin gingen Waren im Wert von 40,0 Mrd. € - 15,0 % mehr als vor einem Jahr. In die Länder der Eurozone wurden im Juni Waren für 27,6 Mrd. € geliefert (plus 17,3 %). In die Länder außerhalb der Europäischen Union wurden im Juni Waren für 22,9 Mrd. € exportiert (plus 18,0 %).

Die Importe sanken zum Vormonat um 4,7 % und lagen mit 48,3 Milliarden Euro 10,7 % über Vorjahresniveau. Die deutsche Handelsbilanz schloss den Angaben zufolge mit einem Überschuss von 14,7 Mrd. €, die Leistungsbilanz mit einem Plus von 8,2 Mrd. € ab. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Handelsbilanzüberschuss von 14 Mrd. € erwartet. Im Vergleich zum Juni 2003 stiegen besonders die deutschen Exporte in die Länder außerhalb der Europäischen Union (EU), der Zuwachs in die Drittländer betrug 18 %. In die Euro-Zone exportierte Deutschland 17,3 % mehr als vor einem Jahr, in die restlichen EU-Länder legten die Ausfuhren um 10,2 % zu.

Die Außenhandelsbilanz - der Saldo aus Exporten und Importen von Waren - schloss im Juni 2004 mit einem Überschuss von 14,7 Mrd. € ab. Vor einem Jahr hatte dieser Wert 10,6 Mrd. € betragen. Dank der kräftig gestiegenen Exporte sei der Überschuss im Außenhandel überraschend deutlich geklettert, berichteten Analysten. Die Einfuhren hatten im Juni nur um 10,7 % zugelegt.

Die dynamisch wachsende Weltwirtschaft sorgte bislang für einen unerwarteten Exportboom in Deutschland, der auch das Wirtschaftswachstum stärker als erwartet ausfallen ließ. Volkswirte gehen davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Vierteljahr noch einmal leicht beschleunigt hat. „Für das zweite Quartal gehen wir trotz der schlechten Juni-Zahlen von einem Wachstum um 0,5 % aus“, sagte Guntermann.

Die Ökonomen betonten, dass die bislang schwache Binnenwirtschaft für eine Fortsetzung der Erholung bald anspringen müsse. Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet bereits von den Daten zum zweiten Quartal Anzeichen einer stärkeren Investitionsnachfrage in Deutschland. Wie Kastens erwarten auch die Volkswirte der Commerzbank anhaltend starke Exporte. „Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die Nachfrage aus dem Ausland weiterhin sehr lebhaft ist“, schrieben die Commerzbank-Experten in einer Analyse.

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