Mehr Geld in der Tasche
Ökonomen befeuern Lohnplus-Debatte

Deutschlands Arbeitnehmer werden vom Aufschwung profitieren und bald mehr Geld in der Tasche haben. Dafür sprechen Volkswirten zufolge Deutschlands Wettbewerbsvorteile dank der Lohnzurückhaltung in der Vergangenheit - und die weiter sinkende Arbeitslosigkeit.
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HB FRANKFURT/MAIN. Volkswirte untermauern den Ruf der Politik nach höheren Löhnen. Der Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bankengruppe, Norbert Irsch, erklärte am Dienstag in Frankfurt: „Damit die Binnenwirtschaft anspringt, wäre eine Tarifrunde mit Lohnerhöhungen von durchschnittlich gut drei Prozent erforderlich.“

Nach Überzeugung von Konjunkturexperten der Commerzbank sprechen auch die in Deutschland erwarteten weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen für einen Lohnanstieg. Chefvolkswirt Jörg Krämer prognostizierte für 2011 weniger als drei Mio. Arbeitslose in Deutschland. Die Arbeitslosenquote sinke - entgegen dem Trend im Euroraum - von 7,7 Prozent in diesem Jahr auf 7,2 Prozent. Dies wirke sich auf die Löhne aus, erklärte Krämer: „Der große Faktor, der die Löhne treibt, ist die Arbeitslosenquote.“

Da die meisten Tarifverträge erst Ende 2011 auslaufen, werden viele Arbeitnehmer den Aufschwung bei den Gehältern aber erst ein Jahr später spüren - dann aber richtig: „Wir denken, der Lohnauftrieb in Deutschland wird ab 2012 deutlich zunehmen“, sagte Commerzbank- Analyst Ralph Solveen.

Zuletzt hatten sich die Tarifpartner in der Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen auf 3,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten verständigt. Daraufhin hatte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) für deutlich höhere Löhne in Deutschland ausgesprochen: „Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich.“ Der Abschluss in der Stahlbranche habe gezeigt, dass ein fairer Ausgleich möglich ist, an dem sich vielleicht andere Branchen orientieren könnten.

Der Vorstoß brachte Brüderle zwar heftige Kritik ein. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Opposition hatten ihm vorgeworfen, er mache es sich mit populären Forderungen nach einem kräftigen Schluck aus der Lohnpulle zu einfach. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärkte dem Minister hingegen den Rücken.

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