Methoden der Forscher
Wie lässt sich Glück messen?

Glück ist ein höchst individuelles und persönliches Gefühl, für Wissenschaftler nur dann handhabbar, wenn es sich in Zahlen messen lässt. Welchen Einfluss Wirtschaftsleistung und Pro-Kopf-Einkommen haben.
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Für die 80er-Jahre-Band Extrabreit war es eindeutig: "Wir brauchen Glück und Geld, säckeweise Glück und Geld", sangen die Hagener damals. Mittlerweile betrachten Wissenschaftler das Phänomen Glück differenzierter in einem eigenen Forschungszweig. Denn das höchst individuelle und persönliche Gefühl ist für Wissenschaftler nur dann handhabbar, wenn es sich in Zahlen messen lässt. Und dazu braucht es Messgrößen, mit denen sich Aussagen treffen lassen, wie glücklich ein Mensch ist und ob er glücklicher als andere ist. Am einfachsten machen es sich die traditionellen Mikroökonomen: Sie entwickelten den Homo oeconomicus, bei dem ein Mehr eines Gutes stets zu besserer Stimmung führte. Die Methoden:

Easterlin-Paradox: Um fast 40 Prozent ist das Pro-Kopf-Einkommen der US-Bürger zwischen 1975 und 1995 gestiegen. Glücklicher, mit ihrem Leben zufriedener sind die Amerikaner allerdings nicht geworden. 1974 wies der US-Ökonom Richard Easterlin zum ersten Mal auf dieses Phänomen hin - und erschütterte damit die traditionelle Ökonomie bis ins Mark. Denn nach dem üblichen Befund müsste die heutige Generation viel glücklicher als die der Eltern sein. Heute gilt das Paradox als weitgehend entschlüsselt. In Experimenten wiesen Wissenschaftler nach, dass die meisten Menschen sich vor allem dafür interessieren, wie sie selbst im Vergleich zu ihren Mitmenschen dastehen - der relative Status ist wichtiger als die absolute Einkommensposition.

Umfragen: Der Züricher Ökonom Bruno Frey hat mit dafür gesorgt, dass Worte wie Glück und Wohlbefinden in der Ökonomie Einzug erhalten haben. Er unterscheidet zwischen kurzfristigem Glück, das erklärt, wie sich Menschen gerade fühlen, und das schnell vergehen kann, und langfristigem Glück, das ausdrückt, wie zufrieden sie alles in allem mit ihrem Leben sind, und das weniger variabel ist. Ermitteln lässt sich das Glück - ob nun das kurz- oder das langfristige - mittels repräsentativer Bevölkerungsbefragungen. Die Befragten bewerten ihr Glück auf einer Skala von eins, unendlich unglücklich, bis zehn, wunschlos glücklich. In Deutschland, sagt Frey, seien Antworten zwischen sieben und neun Punkten häufig. Die Deutschen seien im Großen und Ganzen also sehr glücklich.

Glücks-BIP: Vergangenes Jahr entwickelte der Ökonom Ulrich van Suntum das erste deutsche Glücks-BIP. "Trotz steigender Wirtschaftsleistung hat sich die Lebenszufriedenheit in Deutschland seit Beginn der 1990er-Jahre nicht erhöht", lautet der erste Satz der Studie. Van Suntum übertrug damit den Grundgedanken der mikroökonomischen Glücksforschung auf die Marktökonomie. Sein Glücks-BIP enthält elf Faktoren, darunter BIP-Wachstum pro Kopf, Arbeitslosenquote und Einkommensverteilung als gesamtwirtschaftliche Größen. Hinzu kommen Mikro-Faktoren wie das jährliche Nettoeinkommen, der Gesundheitszustand, die Sorge um die finanzielle Sicherheit und den Job. Das Ergebnis: Lebenszufriedenheit lässt sich nicht allein mit Wirtschaftswachstum erklären.

Konsumklima: Die Marktforscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung entwickelten das GfK-Konsumklima, das auf monatlichen repräsentativen Umfragen unter 2 000 ausgewählten Personen ab 14 Jahren basiert. Dazu fragen die Marktforscher jeden Monat nach den Einkommens- und Konsumerwartungen auf eine Sicht von zwölf Monaten ("verbessern", "verschlechtern", "gleich bleiben"). Zudem erfragen die Wissenschaftler die Anschaffungsneigung und die Erwartungen an die gesamtwirtschaftliche Situation. Aus den drei Antworten wird dann ein Index berechnet, der die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben prognostizieren soll - dies ist in der Vergangenheit allerdings nicht immer ganz gelungen.

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