Michigan-Index
US-Konsumklima besser als erwartet

Überraschung in den USA: Der aktuelle Konsumklima-Index, den die Universität Michigan regelmäßig erhebt, ist offenbar im Dezember besser ausgefallen, als zuvor erwartet wurde. Der Index sei gestiegen, obwohl Beobachter anderes erwartet hatten.

HB WASHINGTON. Trotz Rezession und steigender Arbeitslosigkeit haben die Amerikaner zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes mehr Geld in die Hand genommen. Der Einzelhandel (ohne Tankstellen) setzte im November 0,2 Prozent mehr um als im Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. Gleichzeitig hellte sich die Stimmung der Amerikaner im Dezember angesichts fallender Benzinpreise, massiver Rabattaktionen im Einzelhandel und sinkender Inflationserwartungen überraschend auf.

Der Index für das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan stieg nach ersten Berechnungen auf 59,1 von 55,3 Punkten im Vormonat. „Trotzdem sehen die Konsumenten die Aussichten für die Wirtschaft noch pessimistischer, besonders für den Arbeitsmarkt“, hieß es. Allein in der ersten Dezember-Woche stellten 573 000 Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe - das waren so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr.

Besonders gefragt waren zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes elektrische Geräte: Hier stieg der Umsatz mit 2,8 Prozent so stark wie seit Anfang 2006 nicht mehr. Auch Bekleidung und Möbel liefen gut.

Der gesamte Einzelhandel, Tankstellen mitgerechnet, setzte dagegen den fünften Monat in Folge weniger um. Das Minus betrug 1,8 Prozent. Allerdings ist dies vor allem sinkenden Kraftstoffpreisen geschuldet. Sie brachen um 14,7 Prozent ein und damit so stark wie noch nie. Sie folgten der Entwicklung der Ölpreise, die wegen der weltweit schwächeren Nachfrage eingebrochen sind.

Stark gesunken sind auch die Autoverkäufe mit einem Minus von 2,8 Prozent. Wegen der Finanzkrise kommen viele Kunden schwieriger an Kredite. Zudem halten sie sich wegen der unsicheren Konjunkturaussichten mit größeren Anschaffungen zurück. Große US-Automobilkonzerne sind wegen der Kaufzurückhaltung der Amerikaner massiv in Schwierigkeiten geraten.

Experten befürchten, dass der private Konsum wegen der Rezession vorerst als Konjunkturmotor ausfällt. „Die beschleunigte Eintrübung am Arbeitsmarkt ist kaum das richtige Umfeld für eine rasche Belebung der Konsumkonjunktur“, sagte Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. „Die Amerikaner dürften in den nächsten Quartalen ihre Sparquote erhöhen.“ Die Umsätze im Einzelhandel gelten als wichtiger Indikator für die weltgrößte Volkswirtschaft. Diese hängt zu etwa zwei Dritteln vom privaten Konsum ab.

In den USA sind überdies die Erzeugerpreise im November stärker als erwartet gesunken. Die Preise auf Erzeugerebene seien um 2,2 Prozent zum Vormonat zurückgegangen, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 2,0 Prozent gerechnet. Die Jahresinflationsrate auf Erzeugerebene lag bei 0,4 Prozent.

Die Erzeugerpreise ohne Lebensmittel und Energiepreise (Kernindex) stiegen unterdessen wie erwartet. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich das Preisniveau um 0,1 Prozent. Im Jahresvergleich stiegen die Kern-Erzeugerpreise wie der Gesamtindex um 0,4 Prozent.

Die Erzeugerpreise beeinflussen die allgemeine Teuerung zwar nicht direkt, schlagen aber erfahrungsgemäß mit einiger Verzögerung teilweise auf die Verbraucherpreise durch.

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