Miese Konjunktur
Schlittert Deutschland in die Rezession?

Die Produktion in Deutschland entwickelt sich schwach, die Industrieaufträge sind sogar gesunken. Viele Ökonomen befürchten: Die deutsche Wirtschaft könnte im Frühjahr geschrumpft sein.
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BerlinNach überraschend schwachen Produktionsdaten könnte die deutsche Wirtschaft im Frühjahr sogar geschrumpft sein. Viele Ökonomen erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt im abgelaufenen Quartal leicht gesunken ist. Grund dafür dürfte die zunehmende Verunsicherung wegen der Ukraine-Krise sein. Zudem ließ die Bauproduktion nach dem starken Jahresauftakt deutlich nach. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte, stellten Industrie, Baubranche und Energie-Erzeuger im Juni zwar erstmals seit Februar mehr her als im Vormonat. Doch der Anstieg von 0,3 Prozent konnte die jüngsten Rückgänge nicht wettmachen. "Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Sommergrippe", beschrieb es Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

Zu Jahresanfang hatte die Wirtschaft noch kräftig um 0,8 Prozent zugelegt. Die Daten galten bei Fachleuten aber als verzerrt, da das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wegen des milden Winters vom boomenden Bau profitierte. Für April bis Juni hatte die Bundesbank mit einem deutlich schwächeren Wachstum gerechnet.

Da es aber zurzeit vor allem in der Industrie nicht rund läuft, befürchten viele Experten nun sogar ein Schrumpfen. Die Commerzbank rechnet mit minus 0,1 Prozent. Auch Christian Schulz von der Berenberg Bank warnte: "Nach den heutigen Daten ist das Risiko groß, dass das Bruttoinlandsprodukt leicht gesunken ist." Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Zahlen am nächsten Donnerstag.

Auch für das laufende Quartal gibt es wegen der Ukraine-Krise bereits dunkle Schatten: "Wir rechnen zwar mit einer Rückkehr zu leichtem Wachstum, der Konflikt mit Russland droht sich jedoch wie Mehltau über die Wirtschaft zu legen", sagte Christian Lips von der NordLB. "Unsere Wachstumsprognose von 2,0 Prozent für 2014 werden wir daher wohl oder übel entsprechend anpassen müssen." Ähnliches kündigten andere Experten an.

Die Industrie-Betriebe stellten im Juni zwar 0,1 Prozent mehr her, ihre Produktion im gesamten zweiten Quartal sank jedoch um ein Prozent. Vor allem bei Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen, die als Gradmesser für die künftige Konjunktur gelten, sank die Produktion den vierten Monat in Folge. Das Wirtschaftsministerium rechnet nur mit einer moderaten Entwicklung. Im Juni waren die Industrieaufträge überraschend um 3,2 Prozent gesunken und damit so stark wie seit September 2011 nicht mehr.

"Deshalb sollten die anderen Länder des Euro-Raums und die Europäische Zentralbank vorerst nicht auf Deutschland als Konjunkturtreiber hoffen", sagte Commerzbanker Wagner. "Damit bleiben aber auch weitere expansive Maßnahmen seitens der EZB in der Diskussion." Die Notenbanker beraten seit dem Morgen über ihre Zinspolitik, konkrete Beschlüsse zu neuen Schritten erwarten Experten für heute allerdings noch nicht.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Miese Konjunktur: Schlittert Deutschland in die Rezession?"

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  • @ klaus peter:
    ich empfehle Dir:
    -den film prof bernd senf (tiefere ursachen der krise)!
    -target 2 wirklich verstehen lernen!
    -begreifen warum die USA mit einem schicken aussenhandelsdefizit gut leben(bretton woods)

    Wenn man dann bemerkt das zum kinder machen immer 2 personen nötig sind und die geburtenrate in DE trotz gläubiger facharbeiter bei etwa 1 liegt, dann ist alles OK ;-)

  • Der Dax sinkt beständig, das BIP will nicht steigen. Was soll schuld sein? Die Krise in der Ukraine? Wie viel Anteil haben übrigens die Exporte in die Ukraine an den Gesamtexporten? Wohl kaum messbar!! Das alles ist totaler Unsinn. Der wirkliche Grund liegt am Handling der unseligen Währungsunion, an den untauglichen Versuchen des Draghi, im Sinne von Keynes unerschöpfliche Seen von Geld bereit zu stellen, aber wie Keynes hat auch er kein Mittel, um die Pferde zum saufen zu tragen. Steigt zum Beispiel der Wohnungsbau, wenn bereits Kredite um 1% p.a. angeboten werden? Allenfalls durch spekulative Schwarzgelder aus dem südeuropäischen Ausland werden die Preise in den Zentren hochgejubelt! Aber ansonsten haben offensichtlich die Wirtschaftssubjekte die Schuldenpolitik des Draghi dicke. Von Frankreich hört man, diese müssten den Euro abwerten, Deutschland die Löhne erhöhen, um international wettbewerbsfähiger zu werden, Griechenland hat wieder Mal einen Primärüberschuß konstruiert etc.: Ein totales Chaos, wie bereits in den neunziger Jahren vorausgesagt, wenn man über eine Währung eine politische Diktatur errichten will. Die Zeichen des Crashs sind deutlich, kaum jemand erkennt, alles fummelt an Dummis herum. Das gibt bald ein böses Erwachen.

  • Auch diese deutsche Statitik war schon falsch, als sie gedruckt, von den Staatsmedien, kam.
    Die Ukraine hat in dem o. g. Zeitraum noch keine große Rolle gespielt und war bekannt.
    Nur die Hellseher der deutschen Statistikpolitik hatte das nicht eingearbeitet auf Anweisung von ganz oben?

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