Miese Konjunkturdaten
"Der Schlamassel in der Euro-Zone macht uns zu schaffen"

Für die deutsche Wirtschaft gab es heute gleich mehrere Hiobsbotschaften. Nicht nur die Zahlen zum Export fielen schlecht aus. Auch mit der Industrieproduktion geht es bergab. Im Sommer könnte die Wirtschaft schrumpfen.
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Berlin/LondonSinkende Exporte, fallende Produktion, rückläufige Aufträge: Die deutsche Wirtschaft spürt wegen der Schuldenkrise und der Rezession in vielen Euro-Ländern immer stärkeren Gegenwind. Wegen der Serie schlechter Konjunkturdaten im Juni gehen Ökonomen davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal mehr als halbiert hat. Im Sommer könnte das Bruttoinlandsprodukt in Europas größter Volkswirtschaft sogar fallen.

Die Exporteure verkauften wegen der sinkenden Nachfrage aus der kriselnden Euro-Zone 1,5 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Das war der zweite Rückgang in diesem Jahr. Im Mai hatte es noch ein kräftiges Plus von 4,2 Prozent gegeben. "Der Schlamassel in der Euro-Zone macht unseren Unternehmen zu schaffen", sagte der Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ilja Nothnagel. "Das können die robusten Geschäfte mit den Schwellenländern nicht ausgleichen."

Die Unternehmen drosselten wegen der schrumpfenden Nachfrage ihre Produktion. Sie stellten 0,9 Prozent weniger her als im Vormonat. Im zweiten Quartal sank die Produktion damit um 0,2 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Die Industrie sammelte im Juni 1,7 Prozent weniger Aufträge ein. Die Bestellungen fielen damit so stark wie seit November 2011 nicht mehr.

Der Exportverband BGA senkte auch deshalb seine Prognose für 2012. Ihr Präsident Anton Börner rechnet nur noch mit einem Wachstum von gut vier Prozent. Bislang wurde ein Plus von mindestens sechs Prozent erwartet, doch bereitet die Entwicklung in Europa große Sorgen. "So sanken die Auftragseingänge aus der Euro-Zone jüngst um knapp 20 Prozent", begründete Börner. Dafür laufe es in den USA und den Schwellenländern recht gut.

Von Reuters befragte Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft für das zweite Quartal nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent zu. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,5 Prozent. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt kommende Woche. "Im Vergleich zu anderen Euro-Staaten steht Deutschland aber noch gut da", sagte Citigroup-Ökonom Jürgen Michels. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ein, in Belgien um 0,6 Prozent und in Spanien um 0,4 Prozent. Für die gesamte Euro-Zone wird ein Minus von 0,2 Prozent erwartet.

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  • Konsequenter nicht Konsum zahlt sich irgendwann aus. Wenn man schon nichts als Wähler zu sagen hat, dann eben so.

  • @peter5,
    es ist eben einfacher von 82 Mio. Menschen einen Euro zu nehmen, als von einem Menschen 82 Mio. Euro, weil der eine wehrt sich dagegen aber für die 82 Mio. Menschen lohnt es sich nicht wegen einem Euro zu Klagen.

  • Verzeihen Sie bitte, aber Sie verstehen ja nicht einmal die einfachsten Sachzusammenhänge und posten nur platte Vorurteile. Versuchen Sie einmal zu verstehen, dass es nicht um das verteilen von Erträgen geht, sondern um die Umverteilung des Primäreinkommens. Das hat seinen Zweck darin, dass ein Gemeinwesen nur funktionieren kann, wenn die politische Verantwortung dahingehend wahrgenommen wird, die Ungleichgewichte von vermarkteten Märkten auszutarieren. Ansonsten sind ihre Feststellungen zu der Gemütslage ihrer Mitmenschen einfach tröge. Sie sind der Schaffer und die anderen die Luschen, die angeblich alle den Arsch nicht hochkriegen. Diese Froschperspektive mag ihnen einleuchteten. Mit den hier diskutierten Sachgegenständen hat das nicht das Geringste zu tun. Das ist eher so wie sich Fritzchen die Welt der Ökonomie vorstellt und an seinem gesunden Menschenverstand scheitert.

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