Mieses Weltwirtschaftsklima
Schlechte Nachrichten für die deutschen Exporteure

Das Weltwirtschaftsklima hat sich laut einer Erhebung des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) im vierten Quartal 2010 zum zweiten Mal in Folge eingetrübt. Die Entwicklung ist in den einzelnen Wirtschaftsräumen stark unterschiedlich – und trifft auch die deutschen Exporteure.
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HB BERLIN. Wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner vierteljährlichen Umfrage unter rund 1100 Experten aus 113 Ländern mitteilte, fiel das Barometer um 4,6 auf 98,6 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Es hielt sich aber über dem langjährigen Durchschnitt von 96,9 Zählern. „Die Ergebnisse deuten insgesamt darauf hin, dass sich die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft im nächsten halben Jahr verlangsamt fortsetzen wird“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Auch die deutschen Exporteure stellen sich deshalb auf ein langsameres Wachstum ein. In diesem Jahr rechnet ihr Brachenverband BGA mit einem Umsatzplus von 16 Prozent, dass 2011 auf sieben Prozent schrumpfen soll.

Die Entwicklung bleibt jedoch in den einzelnen Wirtschaftsräumen stark unterschiedlich. Der Wirtschaftsklimaindikator sank erneut in Nordamerika und Asien, stieg aber in Australien und marginal in Westeuropa. In Nordamerika haben sich die Urteile zur aktuellen Wirtschaftslage erneut eingetrübt, während die Aussichten für die nächsten sechs Monate konstant blieben.

Die Wirtschaftslage in Asien verschlechterte sich den Wirtschaftsexperten zufolge etwas; vor allem jedoch sind die Erwartungen für das nächste halbe Jahr weniger zuversichtlich als bisher. In Westeuropa und Australien verbesserten sich erneut die Urteile zur aktuellen Wirtschaftslage; während sich die Wirtschaftsaussichten in Westeuropa für das nächste halbe Jahr etwas eintrübten, verbesserten sich diese in Australien.

Im Weltdurchschnitt wird mit einem moderaten Preisanstieg in den nächsten Monaten gerechnet. Besonders niedrig wird in diesem Jahr nach Schätzung der WES Experten die Inflationsrate im Euroraum und in Nordamerika ausfallen (jeweils 1,6 Prozent).

Die Zahl der Experten, die von steigenden kurz- und langfristigen Zinsen im Laufe der nächsten sechs Monate ausgehen, ist weiter zurückgegangen. Vor allem in Australien, China, Taiwan und Südkorea wird mit einem weiteren Anstieg der Notenbankzinsen im Laufe der nächsten sechs Monate gerechnet.

Nach Ansicht der Experten ist der US Dollar im Weltdurchschnitt leicht unterbewertet. Sie gehen von einem weiteren Wertverlust im Laufe der nächsten sechs Monate gegenüber den meisten anderen Währungen aus, vor allem in Westeuropa, Asien sowie Australien.

Seit 1981 befragt das Ifo-Institut im vierteljährlichen Turnus Experten aus einer Vielzahl von Ländern zur Konjunkturentwicklung und zu anderen Wirtschaftsdaten in ihrem jeweiligen Beobachtungsgebiet. An der jüngsten Erhebung im Oktober 2010 nahmen 1.087 Experten aus 113 Ländern teil. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC) durchgeführt.

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