Minus zehn Prozent
WTO erwartet dramatischen Einbruch des Welthandels

Der Welthandel wird in diesem Jahr nach Schätzungen der WTO um zehn Prozent einbrechen. Dies wäre noch deutlicher als bislang von der Organisation erwartet. Auch für die deutsche Konjunkturentwicklung gibt es schlechte Nachrichten.

HB PARIS/BERLIN. Das Handelsvolumen werde einen "riesigen Rückgang" erleiden, sagte WTO-Chef Pascal Lamy am Mittwoch in einem Reuters-Interview. Das Minus werde sich wahrscheinlich nicht auf die bisher geschätzten neun Prozent begrenzen. "Das ist die Lage und ich fürchte, ich kann nichts Gutes aus meinen Handelszahlen herauslesen", sagte Lamy mit Blick auf jüngste Rückmeldungen aus den 153 Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation.

Zugleich äußerte er sich zurückhaltend über die Perspektiven, die Doha-Runde zur Liberalisierung des Handels im kommenden Jahr abzuschließen. Er höre von Mitgliedern, dass dies der Wunsch sei, sagte er. Die Abschaffung von Zöllen und Handelshemmnissen gilt als wichtiger Impuls, um den Warenaustausch in der härtesten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu stützen. In den Schwellenländern formierte sich indes Widerstand gegen jüngste Forderungen der USA nach größeren Zugeständnissen bei den Doha-Verhandlungen. Die großen Schwellenländer auf diese Weise ins Visier zu nehmen, sei total unfair, betonte der brasilianische Außenminister Celso Amorim in Paris. Brasilien bildet zusammen mit Russland, Indien und China die Gruppe der Bric-Staaten, die mehr Einfluss verlangen.

Bundesbankpräsident Axel Weber beurteilt die Aussichten für die deutsche Wirtschaft laut einem Zeitungsbericht skeptischer als die Bundesregierung. Die Erwartung der Regierung, die Wirtschaft werde im nächsten Jahr wieder um 0,5 Prozent wachsen, sei zu optimistisch, sagte Weber nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (Donnerstag) am Mittwoch in der Sitzung des Bundeskabinetts. Er rechne eher mit einer Stagnation.

Die Bundesbank veröffentlichte am Mittwochabend eine Erklärung, in der sie von einem "etwas breiteren Spektrum im Zahlenwerk" im Vergleich der Prognosen für 2010 sprach. "In qualitativer Hinsicht" bestehe aber weitgehend Einigkeit mit Berlin. "So geht die Bundesregierung davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Schwäche anhält. Auch wir erwarten keine durchgreifende Belebung in naher Zukunft."

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