Mit allen Mitteln
Schweiz hält an Euro-Untergrenze fest

Um eine Deflation zu verhindern, hält die Schweizer Nationalbank strikt an der vor drei Jahren eingeführten Euro-Untergrenze fest. So soll verhindert werden, dass der Euro unter die Marke von 1,20 Franken fällt.
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Zürich.Die Schweizer Notenbank wird die vor drei Jahren eingeführte Euro-Untergrenze weiterhin mit allen Mitteln verteidigen. Die SNB will so verhindern, dass es zu einer Deflation kommt.

Eine Gefahr, die bei dem wichtigen Handelspartner Euro-Zone angesichts einer niedrigen Inflationsrate ebenfalls nicht gebannt ist. Zur Durchsetzung des Mindestkurses ist die SNB wie bisher bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen, falls der Euro die Marke von 1,20 Franken erreichen sollte.

Und die Notenbank will sich nicht auf Devisenmarktinterventionen beschränken. „Bei Bedarf wird sie unverzüglich weitere Maßnahmen ergreifen“, hieß es in der geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB am Donnerstag weiter. Damit deute die SNB die Möglichkeit an, auch Negativzinsen auf Bankeinlagen einzuführen, erklärte der Devisenexperte Peter Rosenstreich von der Swissquote Bank.

Nach Einschätzung der SNB hat sich das internationale Konjunkturumfeld verschlechtert. Das kann die Schweizer Exporte bremsen und Druck auf die Preise im Inland hervorrufen. „Für die Schweiz haben die Deflationsrisiken wieder zugenommen“, urteilten die Währungshüter.

Die SNB rechnet dieses Jahr mit einer minimalen Teuerung von 0,1 Prozent. Für das nächste und das übernächste Jahr nahm die SNB ihre Inflationserwartungen leicht zurück. Sie geht davon aus, dass die Verbraucherpreise 2016 nur um 0,5 Prozent steigen.

Bisher hatte sie 0,9 Prozent angenommen. Angesichts der geringen Inflation und des starken Frankens ließ die SNB das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor unverändert bei 0,00 - 0,25 Prozent.

Eine schwächelnde Weltwirtschaft wird nicht spurlos an der von Exporten abhängigen Schweizer Wirtschaft vorübergehen. Die Währungshüter erwarten dieses Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von „knapp 1,5 Prozent“ nachdem sie im Juni noch von „rund 2,0 Prozent“ ausgegangen waren.

Vor allem in der Euro-Zone, dem wichtigsten Exportraum für die Schweiz, dürfte das Wachstum nach Einschätzung der SNB bescheiden bleiben.

Am Devisenmarkt waren die Beschlüsse der SNB weitgehend erwartet worden. Der Euro schwächte sich leicht auf 1,2080 Franken ab. Vor der Veröffentlichung der SNB-Beschlüsse war die Einheitswährung bei Kursen leicht über 1,21 Franken gehandelt worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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